Das ist wichtig zu Schulterverletzungen beim Skisturz und Skifahren ...

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Skisport

- Schulterverletzungen und Schultererkrankungen -



von: Dr. med. Roland Sistermann


Skifahren, Schulter


Inhalt:


1. Zahlen / Statistik

2. Zerrungen und Sehnenrisse

3. Ausrenkungen und Instabilität

4. Schultereckgelenkverletzungen

5. Unklare Schulterschmerzen

6. Snowkiting und Schulter





1. Zahlen / Statistik
In den letzten 20 Jahren hat sich der Skisport explosionsartig entwickelt. Man schätzt, dass weltweit über 200 Millionen Menschen Ski laufen. Die meisten Unfälle beim Skilaufen betreffen die Beine, an zweiter Stelle steht mit 1/3 aller Skiunfälle die Schulter-/ Armregion. Statistisch gesehen treten 0,5 Schulterverletzungen pro 1000 Skitage auf. Mit über 90% sind Stürze für die Verletzung der Schulter verantwortlich. 3% der Schulterverletzungen sind auf Kollisionen mit anderen Skifahrern zurückzuführen und 1% auf Kollisionen mit Bäumen oder sonstigen Hindernissen. Knie- und Knöchelverletzungen sind insbesondere von der Technik wie Ski, Skischuhe und Bindungen abhängig, Schulterverletzungen beim Ski sind in erster Linie sturzbedingt und nicht technikabhängig. Selbst bei leichten ( erst- oder zweitgradigen ) Schulterverletzungen haben 1/3 der Betroffenen auch 3 Jahre später noch Schmerzen in der Schulter.

Deutliche Unterschiede scheinen zwischen der Verwendung von Carvingski und Normalski zu bestehen. Anhand systematischer Untersuchungen in Österreich hat man - seit der Saison 2002/2003 - festgestellt, dass die Zahl von Schulterverletzungen bei der ehemaligen Trendsportart Carvingski deutlich höher liegt. Vor etwa 10 Jahren war in etwa 35% die Kopf-/Schulter-/Armregion betroffen und 55% der Verletzungen fanden sich an den Beinen. Seit 2002/2003 verzeichnete man eine Trendumkehr: 50% obere Körperregion ( + 15% ) und 41% Beine ( - 14% ). Das scheint daran zu liegen, dass die Topographie der Verletzung beim Alpinski von der Länge der Ski abhängig zu sein scheint. Anders gesagt: Je kürzer der Ski, desto eher ist obere Körperregion - und mit ihr die Schulter - betroffen. Also: Bei der heutigen überwiegenden Verwendung von Carvern sind Schulter-/Armverletzungen öfter zu beobachten.

Etwas anders verhält es sich bei Snowboardern, hier betreffen 50% aller Verletzungen die obere Extremität und Schulterverletzungen treten am häufigsten bei Durchschnittsfahrern oder Profi Snowboardern ( 13- 14% aller Snowboardverletzungen ) auf. Beim Snowboarden ist die Schulter - nach dem Knie - das am zweithäufigsten von Verletzungen betroffene Gelenk. Einigen Studien zufolge scheint es sich, unter Vorbehalt, derart zu verhalten, daß die Verwendung von Handgelenkschonern die Verletzungen am Unterarm, Hand und Handgelenk reduziert. Andererseits soll die Zahl von Ellenbogen- und Schulterverletzungen, bei Benutzung von Handgelenkprotektoren, höher sein.

Beim Telemarkski betreffen etwa 20% der Verletzungen die Schulter.


Skifahren, Schlüsselbeinbruch, Clavikulafraktur

Typische Verletzung beim Snowboard. Oben: Schlüsselbeinbruch, mittig ( schwarze Pfeile ). Unten: Verplatteter Schlüsselbeinbruch.



2. Zerrungen und Sehnenrisse
Am häufigsten treten mit etwa 25% Zerrungen und Risse der Rotatorenmanschette auf. Skifahrer bei denen es zu Rotatorenmanschettenrissen kommt sind durchschnittlich 10 Jahre älter als das übrige Schulterverletzungskollektiv beim Skisport. Man versucht die Risse zunächst nichtoperativ zu behandeln, öfter ist aber eine operative Naht notwendig.


3. Schulterausrenkungen und Schulterinstabilitäten
Bei Skifahrern kommt es an zweiter Stelle ( 20% d.F. ) zu Schulterausrenkungen, die regelmäßig zu chronischen Instabilitäten der Schulter führen. Diese finden in der Regel nach vorne und unten statt. Sie schränken die Gebrauchsfähigkeit des Armes sofort stark ein und gehen mit heftigen Schulterschmerzen einher. Am Unfall-/Urlaubsort müssen sie ärztlich eingerenkt werden. Wann der Zeitpunkt gegeben ist Schulterausrenkungen operativ endoskopisch zu stabilisieren, können Sie hier lesen.


Skifahren, Schulterausrenkung, Röntgen, Schulterluxation

Verhakte Schulterausrenkung, links, nach Sturz beim Alpinski, zusätzlicher Knochenbruch des großen Rollhügels am linken Oberarmkopf ( roter Pfeil ).



4. Schultereckgelenkverletzungen
Recht häufig entstehen auch Sprengungen des Schultereckgelenkes. Sie machen circa 20% aller Skischulterverletzungen aus. Manche Schultereckgelenksprenungen kann man ohne Operation behandeln, andere müssen operativ stabilisiert werden.




Eine weitere häufige und schwerere Verletzung ist der Schlüsselbeinbruch ( 10% der Fälle ). Brüche des Oberarmkopfes treten glücklicherweise nur in etwa 1% d.F. auf und Brüche des Oberarmschaftes in etwa 3%.


5. Unklare Schulterschmerzen
Unklare Schulterschmerzen nach Skistürzen können durch sog. SLAP Läsionen oder auch eine Reihe anderer Verletzungen im Gelenk zustandekommen.


6. Snowkiting und Schulter:
Snowkiting wird ein zunehmend populärer Extremsport. Bisher war über Verletzungszahlen und Verletzungsmuster des Snowkiting wenig bekannt.

Man geht davon aus, dass etwa 60% aller Verletzungen beim Snowkiting leicht sind und keine bis wenig Probleme bereiten. Circa 20% sind mittelschwere und weitere 20% schwere Verletzungen.
Insgesamt ist die Schulter in etwa 20% der Fälle beim Snowkiting betroffen, d.h. etwa jeder 5. Snowkiter erleidet eine Schulterverletzung. In der Regel sind es Ausrenkungen der Schulter oder Schlüsselbeinbrüche.
Vorsorge treffen kann man mit dem regelmäßigen Tragen von Schulter- und Rückenprotektoren, Quick Release Systemen und einem Helm.

Insgesamt ist Snowkiting ein Hochrisikoverletzungssport, beispielsweise verglichen mit dem konventionellen Skisport ist die Verletzungsrate beim Snowkiting etwa 3 x höher.


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Wissenschaftliche Literatur
1. Kocher MS, et al, Shoulder injuries from alpine skiing and snowboarding: aetiology, treatment and prevention, Sports Med, 25(3):2011-211, 1998
2. McCall D, et al, Injuries about the sjoulder in skiing and snowboarding, Br J Sports Med, 43(13):987-992, 2009
3. Sulheim S, et al, Risk factors for injuries in alpine skiing, telemark skiing and snowboarding - case control study, Br J Sports Med, 45(16):1303-1309, 2011



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