Die Schulterprothese mit kurzem Schaft: warum, wie, wann und Vieles mehr ...

Ein Service der Schultersprechstunde - Orthopädie, Klinikum Dortmund gGmbH



Schulterkurzschaft-
prothese



von: Dr. med. Roland Sistermann


Kurzschaftprothese, Schulter, Gelenkersatz



  • Die Schulterkurzschaftprothese ist ein künstliches Gelenk. Ihr Kennzeichen ist es, dass sie über einen kurzen Schaft / Stiel verfügt ( siehe Fotos, oben ). Dabei ist der Kurzschaft dieses Prothesentyps kürzer als der einer konventionellen Schulterprothese und länger als der von schaftfreien Schulterprothesen oder Schulter Cup Prothesen.
  • Vorteile & Nachteile
    Die Vorteile bestehen darin, dass es ein recht kleines Implantat, kurzer Schaft, ist und gute Rückzugsmöglichkeiten im Falle einer Lockerung bietet. D.h. man kann einfacher als bei den grösseren Prothesen einen Austausch / Schulterprothesenwechsel vornehmen. Schulterkurzschaftprothesen kann man auch bei Osteoporose einsetzen - im Gegensatz zu den Cupprothesen und schaftfreien Schulterprothesen. Die Schäfte werden öfter zementfrei verankert, können aber auch z.B. bei einer Osteoporose zementiert werden.
    Ein weiterer Vorteil dieser Schäfte besteht darin, daß sie je nach Hersteller, konvertibel sind. Das bedeutet: im Falle einer Lockerung oder Austausches kann der Schaft, wenn er in Ordnung ist, belassen und die Prothese z.B. in ein anderes Implantat ( beispielsweise eine inverse Konstruktion ) umgewandelt werden.

    Nachteilig ist der Umstand, dass man Erfahrung beim Einbau dieser Prothesen benötigt, um Knochenbrüche am Oberarmschaft beim Einschlagen solcher Prothesen zu vermeiden.
  • OP-Veranlassung
    Schulterkurzschaftprothesen werden beim konventionellen Schulterverschleiss ( Omarthrose ), der Oberarmkopfnekrose und anderen Zerstörungen des Schultergelenkes ( Rheuma, et cetera ) eingebaut.
  • Wann Einbau ?
    Eine Schulterkurzschaftprothese wird eingebaut, weil der / die Betroffene Schmerzen in der Schulter verspürt - auch Nachtschmerzen, welche mit anderen nichtoperativen Mitteln ( Schmerztabletten, Bestrahlungen, Akupunktur, Physiotherapie, etc. ) nicht in den Griff zu bekommen sind. Es gilt so wenig wie nötig ( kurzer Schaft ), aber so viel wie nötig ( gute Verankerung bei weicher Knochenqualität ).
    Der ideale Zeitpunkt zum Einbau eines solchen Implantates ist ein hartnäckiger schmerzhafter Schulterverschleiss, bei dem im Arm noch eine Restfähigkeit an Außendrehung im Arm und der Schulter möglich und vorhanden ist.
  • OP Risiken
    Es gelten für die Schulterkurzschaftprothesen die allgemeinen Risiken jeder Operation, wie: Thrombose, Embolie, Blutung, Infektion, Wundheilungsstörung, Gefäss-/ Nervenschäden. Die Prothese könnte theoretisch ausrenken. Brüche des Oberarmschaftes - wie bei der konventionellen Schulterprothese - kommen vereinzelt vor, weil der kurze künstliche Schulterprothesenschaft beim Einbau eingeschlagen wird. Im Allgemeinen ist Komplikationsrate beim Einbau von Schulterkurzschaftprothesen gering. Vorkehrungen, wie die Verwendung von Thrombosespritzen, steriles Operieren, die vorbeugende Gabe von Antibiotika gehören zur Tagesroutine.
  • Nachbehandlung
    In den ersten Tagen werden Schmerzmittel verabreicht, die Schulter wird gekühlt und die Wunde mittels Verbandwechseln kontrolliert. Während des etwa 5 bis 7 Tage dauernden stationären Krankenhausaufenthaltes wird krankengymnastisch geübt und eine Patientenschulung im Umgang mit der Schiene vorgenommen. Eigenübungen für die Zeit nach der Entlassung, zuhause, werden gezeigt. Etwa nach 10 bis 12 Tagen werden die Fäden der Hautnaht entfernt. Eine Schulterschiene wird circa 4-6 Wochen getragen. In den ersten 4-6 Wochen wird aus der Schulterschiene heraus passiv geübt, und zwar zuhause - vor Ort - mit Ihrem Physiotherapeuten. Nach Abnahme der Schiene, beginnt die aktive Übungsbehandlung. Die Nachbehandlung dauert etwa 8 bis 12 Wochen. Das Erreichen der Arbeitsfähigkeit hängt u.a. davon ab, welcher Beruf ausgeübt wird, wie man zur Arbeitsstätte gelangt und welcher Arm operiert wurde. Im Allgemeinen gilt: Je eher es sich um eine Büro- / kaufmännische Tätigkeit handelt desto eher kann begonnen werden. Bei schwerer körperlicher Arbeit ( z.B. Tiefbau, etc. ) kann es bis zum Erreichen der Arbeitsfähigkeit etwa 3 Monate dauern. Aufsichtsführende und leichte Bürotätigkeiten können bereits nach 7 bis 10 Tagen begonnen werden. Die zu erwartende Arbeitsunfähigkeitszeit ist im Einzelfall sehr unterschiedlich und individuell abzuschätzen.


Orthopädie, Schultersprechstunde, Klinikum Dortmund ( Mitte ), Beurhausstrasse 40, D-44137 Dortmund, 0231-953-21851




Autor und Ansprechpartner: Dr. med. Roland Sistermann, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Leitender Arzt Schulter- und Ellenbogenchirurgie, Orthopädie, Klinikum Dortmund-Mitte