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Die Schleimbeutelentzündung an der Schulter



von: Dr. med. Roland Sistermann


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Inhaltsverzeichnis:

1. Überblick

2. Entstehung

3. Häufigkeit

4. Typen

5. Risikogruppen

6. Beschwerden / Symptome

7. Verlauf

8. Diagnose

9. Selbsthilfe / Hausmittel / Homöopathie

10. Behandlung / Therapie

11. Prognose

12. Nachbehandlung


1. Überblick
Wie der Name schon sagt, handelt es sich um eine schmerzhafte Entzündung eines der Schleimbeutel an der Schulter. Schleimbeutel sind Strukturen, welche als Puffer - zwischen mechanisch belasteten Körperregionen - funktionieren. Es gibt sie an verschiedensten Stellen des menschlichen Körpers, beispielsweise an der Streckseite der Knie oder Ellenbogen, an den Hüften außenseitig oder im Bereich der Sprunggelenke. Schleimbeutel üben gewissermassen eine Schutzfunktion aus, indem sie zwischen mechanisch belasteten Körperteilen eine Verschiebeschicht bilden. An der Schulter gibt es im Wesentlichen vier Schleimbeutel, und zwar den zwischen dem Schulterdach ( Akromion ) und dem Oberarmkopf und den Schleimbeutel unter dem Rabenschnabelfortsatz ( subkorakoidal ) und darüberhinaus die Schleimbeutel vor dem Subscapularismuskel und den Schleimbeutel unter dem Deltamuskel.
Der Begriff Bursa bedeutet soviel wie " Beutel / Tasche " und stammt aus dem Lateinischen. Dieser Beutel wird außen von einer Membran umgeben und ist innen mit einer klaren, leicht gelblichen, Flüssigkeit gefüllt. Wird der Schleimbeutel mechanisch beansprucht, füllt er sich mit mehr Flüssigkeit, dehnt sich aus und kann entweder eine nach außen sichtbare Schwellung verursachen oder zwischen zwei Strukturen einklemmen und Schmerzen entstehen infolge der Einklemmung.
Meistens haben diese Schulterschleimbeutel eine Verbindung untereinander.
Am häufigsten ist der Schleimbeutel unter dem Schulterdach von Problemen betroffen ( die sog. " Bursitis subakromialis " ). Neben dem Schleimbeutel können sich auch die unmittelbar benachbarten Sehnen an der Schulter entzünden.



2. Entstehung
In der überwiegenden Zahl der Fälle spielt die mechanische Überlastung die ausschlaggebende Rolle. Exzessive Belastungen der jeweiligen Schulter / des jeweiligen Armes beim Sport, Arbeit oder Renovieren - mit Tätigkeiten in und über Schulterhöhe - lösen eine entsprechende Entzündung aus.
Rheumatische Erkrankungen der Schulter können zur Entzündung der o.g. Schleimbeutel an der Schulter beitragen oder sie auch alleine verursachen.
Eine Reihe von klassischen Schultererkrankungen wie das Impingementsyndrom, Risse in der Rotatorenmanschette, eine Schultersteife im Akutstadium oder Kalkdepots führen zu mechanischen Irritationen im Tunnel unter dem Schulterdach und verursachen derart eine Entzündung des dort liegenden Schleimbeutels ( Bursitis subakromialis ).
Wenn Kalkablagerungen in den Schleimbeutel einbrechen, bezeichnet man es als Bursitis calcarea. Näheres dazu können Sie hier nachlesen.
Eine Gicht, Infektionen und Tuberkulose sind Raritäten als Ursache von solchen Entzündungen.


3. Häufigkeit
Männer wie Frauen sind gleich häufig betroffen und die Schleimbeutelentzündung an der Schulter kann in jedem Alter auftreten.
Manche Berufsgruppen, welche häufig in und über Schulterhöhe arbeiten müssen, wie Maler, Lackierer, Installateure, Plakatkleber, sind mehr gefährdet.


4. Typen:
Man unterscheidet zwischen akuten und chronischen Schleimbeutelentzündungen.

Man kann auch nach der Lage unterscheiden. Dabei trennt man die Bursitis subacromialis ( unter dem Schulterdach ) von der Bursitis subdeltoidea ( unter dem Deltamuskel ) und die Bursitis subscapularis ( vor dem Deltamuskel ) von der Bursitis subcoracoidalis ( unter dem Rabenschnabelfortsatz des Schulterblattes.
Manchmal werden die Schleimbeutel unter dem Schulterblatt ( Bursae subscapulares ) noch hinzugezählt.


5. Risikogruppen:
Personen, die untrainiert sind oder neue ungewohnte Bewegungen bei der Arbeit oder Sport ausüben, haben ein höheres Risiko zu erkranken. Dazu zählen z.B. Renovierungsarbeiten an Decken, Reinigungsarbeiten in und über Schulterhöhe im Haushalt. Auch bestimmte Bewegungen bei Wurf- oder Schlagsportarten in und über Schulterhöhe können zur Gefährdung beitragen.


6. Beschwerden / Symptome
Schmerzen in der Schulter sind das Hauptproblem für die Betroffenen. Wird auf Schulterhöhe oder darüber gearbeitet, machen sich diese Schulterschmerzen besonders bemerkbar oder auch das Anziehen einer Jacke kann bereits deutliche Probleme bereiten.
Zum Teil sind auch nächtliche Schmerzen in der betroffenen Schulter vorhanden. Weil man keine Nachtruhe findet, wenn man sich im Schlaf auf die betroffene Schulter dreht und sofort wach wird, suchen die Patienten einen Arzt auf.
Eine Bewegungseinschränkung der Schulter kann sich als Folge einer Schonhaltung wegen der Schulterschmerzen ebenso entwickeln.
Schwellungen können vereinzelt sichtbar sei, sind aber kein Hauptsymptom.
Eine sichtbare Rötung und Überwärmung sind ebenso untypisch, weil die o.g. Schleimbeutel fast immer zu tief in der Schulter liegen.


7. Verlauf
Die Verläufe dieser Reizzustände an der Schulter sind manchmal akut und entwickeln sich schnell ( d.h. binnen Stunden oder weniger Tage ). Häufig sind sie chronisch und entstehen über Wochen und Monate langsam und werden Schritt für Schritt schlimmer.



8. Diagnose
Ihr Arzt wird zunächst Ihre Krankenvorgeschichte erheben. Es gibt eine Reihe klinischer Schulteruntersuchungstests, die eine Schleimbeutelentzündung nahelegen. Sie sind für den Arzt hilfreich und wichtig, jedoch nicht so spezifisch aussagekräftig als daß sie alleine zur Untersuchung ausreichen würden.
Ein wichtiges Verfahren zur Darstellung eines entzündeten Schleimbeutels an der Schulter ist die Sonographie / Ultraschalluntersuchung der Schulter. Die Schultersonographie kann auch z.B. begleitende Kalkdepots oder Risse in der Rotatorenmanschette aufdecken.
Ein weiteres Verfahren, welches die entzündeten Schleimbeutel der Schulter sehr gut darstellen kann, ist Kernspintomographie der Schulter. Sie ist aber nicht das Mittel der ersten Wahl, sondern kommt erst in zweiter Linie zur Anwendung.
Im Röntgen stellen sich entzündete Schleimbeutel nicht dar.


9. Selbsthilfe / Hausmittel / Homöopathie
Für den Anfang tun es einfache Hausmittel, wie eine Kältekompresse / Eisbeutel. Niedrigere Dosierungen von Medikamenten, wie Paracetamol oder Ibuprofen gibt es frei verkäuflichen in Apotheken.
Homöopathika, wie Sticta und Silicea sollen auch helfen.
Auch Wickel mit Quark oder essigsaurer Tonerde wirken entzündungshemmend.



10. Behandlung / Therapie
Die weit überwiegende Mehrzahl dieser Entzündungen wird in orthopädischen Praxen und Hausarztpraxen mittels Maßnahmen, wie Entzündungshemmern ( z.B. Ibuprofen, Arcoxia, u.ä. ) / Verordnung von schmerzlindernden Medikamenten und Schonung sowie kühlen behandelt. In besonders schmerzhaften oder hartnäckigen Fällen ist es sehr effektiv eine Spritze direkt in den Schleimbeutel / an die Schulter zu verabreichen, welche meistens ein örtliches Betäubungsmittel und Kortison enthält.

Die Verordnung von Physiotherapie gehört ebenso zu den Behandlungen der Wahl.
Begleitend können physikalische Therapien, wie Eis, Ultraschall und die Iontophorese zum Einsatz gelangen.
Eine weitere effektive Therapiemöglichkeit stellt die Akupunktur dar.
Wichtig ist vor allem, daß die / der Betroffene Tätigkeiten vermeidet, welche die Entzündung ausgelöst haben und unterhalten können. Im Einzelfall sind diese Tätigkeiten sehr unterschiedlich. Es handelt sich aber meistens um ein Hantieren mit der betroffenen Schulter / Arm in und über Schulterhöhe.
Eine Stoßwellenbehandlung ist nicht die Methode der Wahl, um solche Entzündungen zu behandeln.

Versagt die nichtoperative Therapie der Schleimbeutelentzündung, wird der entzündete Schleimbeutel arthroskopisch mittels einer Schlüssellochoperation entfernt. Diese Schulterarthroskopie ist eine effektive Maßnahme, um das Problem dauerhaft los zu werden. Liegen begleitende Schultererkrankungen wie, z.B. einklemmende Kalkdepots oder Risse in der Rotatorenmanschette vor, werden sie arthroskopisch in gleicher Operation behoben bzw. Engen unter dem Schulterdach beim Impingement mit einer sog. Akromioplastik arthroskopisch beseitigt.
Die alleinige Entfernung eines entzündeten Schulterschleimbeutels durch eine solche OP dauert wenige Minuten und der Arm und Schulter können binnen einiger Tage wieder eingesetzt werden.


11. Prognose
Sie können hartnäckig und langwierig sein. In fast allen Fällen heilen diese Entzündungen nach mehr oder weniger langer Zeit und entsprechender konservativer / operativer Therapie folgenlos aus und der menschliche Körper bildet im Laufe der Wochen einen neuen Schleimbeutel, der sich - nach beseitigtem mechanischen Hindernissen - nicht mehr entzündet.



12. Nachbehandlung
Wenn ein entzündeter Schleimbeutel arthroskopisch entfernt werden musste, wird unmittelbar nach der Schulterarthroskopie gekühlt und mit den üblichen Schmerzmitteln in den ersten Tagen behandelt. Der operierte Arm und Schulter dürfen direkt aktiv und frei - beschwerdeangepasst - bewegt werden. Verbände werden in den ersten Tagen gewechselt und etwa nach 10 bis 12 Tagen die Hautnahtfäden gezogen.


Gleiche / Ähnliche Begriffe für eine Schleimbeutelentzündung an der Schulter:
Bursitis subakromialis, Bursitis subscapularis, Bursitis subcoracoidalis, Bursitis subdeltoidea


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Wissenschaftliche Literatur:
1. Calabrese EJ, et al, The use of x-rays to treat shoulder tendonitis / bursitis: a historical assessment, Arch Toxicol, 88(8):1503-1517, 2014
2. Gasparre G, et al, Effectivness of ultrasound-guided injections combined with shoulder exercises in the treatment of subacromial adhesive birsitis, Musculoscelet Surg, 96 Suppl 1:S57-S61, 2012


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