Die Naht und Rekonstruktion der Rotatorenmanschette: häufig und alle wichtigen Informationen

Ein Service der Schultersprechstunde - Orthopädie, Klinikum Dortmund gGmbH



Rotatorenmanschettennaht



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Dr. med. Roland Sistermann
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie





  • Der größte Teil der tiefen Schultermuskeln wird von der sog. "Rotatorenmanschette" gebildet. Diese Muskeln umgeben die Schulter vorne, oben und hinten. Es handelt sich um insgesamt vier Muskeln, deren Aufgabe darin besteht, die Kugel des Oberarmkopfes in der Schulterpfanne zu zentrieren.
    Zum Teil wird als fünfter Muskel noch der Bizeps mit seiner langen Sehne hinzugezählt.
    Die Muskeln sorgen für Bewegung des Armes, indem sie sich zusammenziehen bzw. dehnen, also für die Drehung des Armes nach innen, außen und oben und z.T. auch für die Abspreizung zuständig sind. Vor allem Heben sie auch den Arm nach vorne und zur Seite bzw. schräg nach vorne.

    Im Rahmen von Unfällen oder durch Verschleißerscheinungen können diese Muskeln reißen / Defekte / Löcher entstehen. Je älter der Patient ist, desto häufiger trifft man derartige Risse - aufgrund eines natürlichen, altersbedingten, Verschleißes - an.

    Viele Risse können zunächst ohne Operation über einige Wochen behandelt werden. Je jünger der Patient ist und bei erfolgloser nichtoperativer Behandlung, wird eine Naht des / der gerissenen Muskeln notwendig. Diese Naht kann durch das Schlüsselloch ( arthroskopisch / endoskopisch ), durch einen Minizugang oder offen durchgeführt werden. Die Entscheidung darüber, welches OP Verfahren zur Anwendung kommt, ist von zahlreichen Faktoren ( Alter, Gewebequalität, Grösse und Lage sowie Mobilisierbarkeit eines Risses, uvm. ) abhängig.
  • Das Ziel eines operativen Eingriffes besteht darin, eine Schmerzbefreiung zu erreichen und die Kraft sowie Beweglichkeit der Schulter und des Armes wiederherzustellen.

    Der Operateur unternimmt zunächst eine Bestandsaufnahme, indem er durch das Schlüsselloch endoskopisch in das Schultergelenk blickt( Schulterarthroskopie ). Je nach Befund, wird während der Operation entschieden, welches Nahtverfahren verwandt wird.
    Bei endoskopischen Nähten werden mehrere etwa 0,5 cm bis 1cm lange Hautschnitte hinten, seitlich und vorne an der betroffenen Schulter angelegt. Durch diese Schnitte werden die Kamera, Arbeitskanülen, Fräsen ( sog. Shaver ) , Tast- und Nahtinstrumente, uvm. eingeführt. Während des Eingriffes kann das Vorgehen vom OP Team am Flachbildschirm verfolgt werden. In den letzten Jahren hat sich zunehmend das endoskopische rekonstruierende und nähende Vorgehen etabliert, so daß nur noch in wenigen Fällen offen operiert wird.

    Entschließt man sich zu einer offenen Naht der Rotatorenmanschette gibt es den "mini open repair" und die normale offene Naht.
    Beim "mini open repair" werden ganz kleine Schnitte von wenigen Zentimetern angelegt und mittels speziellen Werkzeugs die defekte Rotatorenmanschette von ihren Verklebungen gelöst und über einen oder mehrere Knochentunnel oder z.B. Nahtanker wieder an ihrem Ursprungsbereich am Oberarmkopf befestigt.

    Bei der konventionellen offenen Rotatorenmanschettennaht wird ein Schnitt schräg oder längs an der Schulter angelegt. Er ist mehrere Zentimeter lang. Der Deltamuskel wird durchtrennt und die gerissenen Rotatorenmanschette dargestellt, mobilisiert, rekonstruiert und verschlossen.
  • Es können die allgemeinen Komplikationen einer Operation, wie Thrombosen, Embolien, Infektionen und Wundheilungsstörungen auftreten. Die Rate erneut auftretender Risse ( sog. Reruptur ) kann je nach Auswahl der Patienten, OP Technik, Gewebequalität vor Ort, Mitarbeit des Patienten, uvm. unterschiedlich hoch sein.
    Der operierte Arm muss in einer Armschiene ruhig gestellt werden und es wichtig eine passive Krankengymnastik durchzuführen und sich an die verordneten Übungen zu halten, sonst könnte sich eine Schultersteife entwickeln.
    Theoretisch können sich auch Nahtanker, mit denen die Sehnen befestigt ist, lockern ( sog. Ankerlockerung ).
  • Schmerz ist erfahrungsgemäß für jeden von uns ein doch recht subjektives, also unterschiedliches, Erleben. Es gibt eben Menschen, welche mehr und andere, die weniger Schmerz empfinden. Eine sehr gute Hilfe zur Schmerzbewältigung ist die Anlage eines sog. Plexuskatheters vor der Operation. Dazu wird vom Narkosearzt ein kleines Schläuchlein am Hals platziert, über das langsam kontinuierlich ein örtliches Betäubungsmittel ( Lokalanästhetikum ) unter Hilfe einer kleinen Pumpe fließt. Dann ist eine nicht ganz so tiefe Narkose notwendig. Man wird also schneller wach und ist schneller fit. Das Schläuchlein bleibt einige Tage liegen, sodass die operierte Schulter / Arm betäubt sind und erst gar kein Schmerz aufkommt ( ähnlich wie Viele es vom Zahnarzt kennen, wenn eine Betäubungsspritze zur Behandlung eines Zahnes gesetzt wird ).

    Alternativ dazu gibt es eine Reihe moderner Schmerzmittel, welche gespritzt, als Dauertropf oder in Tropfen-, Kapsel- oder Tablettenform - einzeln oder oft in Kombination - gegeben werden.

    Insgesamt lässt sich die Situation schmerztechnisch nach der operativen Naht einer Rotatorenmanschette bei der überwiegenden Zahl der Operierten mit den heutigen schmerztherapeutischen Methoden sehr gut beherrschen.
  • Nach einer Naht der Muskelmanschette wird der operierte Arm in einer Schlinge ruhiggestellt oder auf einem Abspreizkissen gelagert.
    In den Tagen nach der Rotatorenmanschettennaht werden die Pflaster alle paar Tage gewechselt und die Wunden kontrolliert. Der Umgang mit dem Kissen bzw. der Schiene wird in den Tagen nach dem operativen Eingriff zusammen mit der Physiotherapeutin trainiert ( z.B. das An- und Ablegen der Schiene beim Kleidungswechsel oder beim Duschen ).
    Passiv geführte Bewegungen des Armes durch die Physiotherapie schließen sich in den ersten 3-4 Wochen an und sind in dieser Zeit zwar nur eingeschränkt möglich aber dennoch sehr wichtig, weil diese Schulterübungen unter Anleitung der Physiotherapie einer Einsteifung des Schultergelenkes ( sog. postoperative Schultersteife ) entgegenwirken.
    Der stationäre Krankenhausaufenthalt dauert - je nach OP Verfahren ca. 2 bis 4 Tage. Mit aktiven Bewegungsübungen kann in der 4. - 6. Woche begonnen werden. Insgesamt dauert die Rehabilitation nach o.g. Nahtverfahren etwa 3-4 Monate.
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  • Die Arbeitsunfähigkeitsdauer ist von der beruflichen Tätigkeit abhängig. Aufsichtsführende und Bürotätigkeiten können bereits nach 2 - 3 Wochen ( bei noch zu tragender Armschiene ) wiederaufgenommen werden. Wer beruflich hauptsächlich körperlich tätig ist, fällt 3 - 4 Monate aus. Sportliche Betätigungen mit den Armen können nach 4-6 Monaten langsam wieder aufgenommen werden.
    Es ist wichtig zu verstehen, dass die genähte Region von Natur aus eine schlecht durchblutete Zone beim Menschen ist. Heißt: Das Einheilen bis zum Erreichen der erneuten vollen Sehnenbelastbarkeit benötigt eine lange Zeit ( mehrere Monate ).
  • Rotatorenmanschettenrekonstruktion

    OP-Technik: meistens arthoroskopisch / endoskopisch; alternativ mini offen oder offen

    OP Dauer: 40-60 Minuten

    Krankenhausaufenthalt: 3-4 Tage

    Nachbehandlung: Schulterschiene für 4-6 Wochen mit einer passiven Übungsbehandlung daraus

    Arbeitsunfähigkeit: 2 Wochen bis 4 Monate und stark vom ausgeübten Beruf abhängig
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Wissenschaftliche Literatur:
1. Lorbach O, et al, Advances in biology and mechanics of rotator cuff repair, Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc, 23(2):530-541, 2015 doi: 10.1007/s00167-014-3487-2.
2. McElvany MD, et al, Rotator cuff repair: published evidence on factors associated with repair integrity and clinical outcome, Am J Sports Med. 4382):491-500, 2015 doi: 10.1177/0363546514529644.
3. Gumani N, et al, Efficacy of different rotator cuff repair techniques, Surg Technol Int, 26:295-300, 2015
4. Ross, D, et al, Rehabilitation following arthroscopic rotator cuff repair: a review of current literature, J Am Acad Orthop Surg, 22(1):1-9, 2014 doi: 10.5435/JAAOS-22-01-1.


Orthopädie, Schultersprechstunde, Klinikum Dortmund ( Mitte ), Beurhausstrasse 40, D-44137 Dortmund, 0231-953-21851



Autor und Ansprechpartner: Dr. med. Roland Sistermann, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Leitender Arzt Schulter- und Ellenbogenchirurgie, Orthopädie, Klinikum Dortmund-Mitte