Das ist das wichtige Wissen, rund um die schmerzhafte Kalkschulter

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Ein Service der Schultersprechstunde - Orthopädie, Klinikum Dortmund gGmbH


Die

Kalkschulter
( Tendinosis calcarea bzw. Tendintis calcarea )



Dr Roland Sistermann, Spezialist, Experte, Schulter, Ellenbogen, Orthopäde, Unfallchirurg
Dr. med. Roland Sistermann
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie


Kalkschulter, Verkalkungen, Schulter, Tendinitis, Tendinosis, calcarea, kalkarea




1. Beschwerden
Die weit überwiegende Zahl von Kalkdepots an der Schulter macht überhaupt keine oder allenfalls nur wenig Schwierigkeiten. Oft werden sie als Zufallsbefund auf Röntgenbildern entdeckt - ohne dass daraus Konsequenzen resultieren. Eine nicht geringe Anzahl von Patienten sucht aber ihren Arzt wegen Problemen mit einer Kalkschulter auf ( kurze Anmerkung nebenbei: Kalkablagerungen an der Schulter haben nichts mit Kalkablagerungen in den Gefäßen - der Arteriosklerose - zu tun ). Ganz im Vordergrund steht bei den Beschwerden: der Schmerz. Er treibt den Patienten zum Arzt und mündet - falls alles andere nicht fruchtet - in der operativen Entfernung. Viele der Betroffenen klagen über Nachtschmerzen, insbesondere wenn sie sich im Schlaf auf die erkrankte Schulter drehen. Ein Hauptübel ist der mangelnde Nachtschlaf und die damit einhergehende Unausgeruhtheit am Tage. Ein Schlafen auf der betroffenen Schulterseite ist den Patienten kaum möglich. Über Monate und Jahre hinweg betrachtet, hat der Schulterschmerz einen "wellenhaften" Charakter. Es gibt Tage und Wochen ohne Schmerzen und andererseits Phasen mit heftigsten Schmerzen. Häufig ist der Schmerz bei Tätigkeiten in oder über Schulterhöhe ( Wäsche aufhängen, Fenster putzen, etc. ) vorhanden, weil die Kalkablagerung zwischen Oberarmkopf und Schulterdach dabei einklemmen kann.

Ausgesprochen unangenehm - und schwer mit Medikamenten beeinflussbar - sind Schmerzen im Falle eines Auflösungsprozesses des Kalkdepot.

Manchmal ist es schwierig mit dem Arm in eine Jacke zu gelangen.

Insgesamt können die Schmerzen und Beschwerden der Kalkschulter recht unterschiedlich sein, je nachdem in welchem Erkrankungsstadium sich der Betroffene gerade befindet.


hochauflösende Ultraschalluntersuchung einer Kalkschulter: Kalkdepot in der Supraspinatussehne.



2. Ursachen
Bis heute liegen die Ursachen der Entstehung solcher Kalkschultern im Unklaren. Man weiß, dass Frauen und Personen im mittleren Lebensalter ( etwa 30. bis 50. Lebensjahr ) am häufigsten betroffen sind.
Vermutet werden als Ursache eine vermehrte mechanische Belastung der Sehnen an der Schulter mit wahrscheinlich einhergehenden Durchblutungsstörungen und Umbau von Sehnenzellen zu Verknöcherungen. Möglicherweise ist es eine genetische Anlage zu einer schlechteren Durchblutung der Sehnenansätze an der Schulter, welche die Entwicklung dieser Kalkdepots / Kalkschulter triggert.
Eine Enge unter dem Schulterdach ( das sog. Impingement ) kann ebenfalls zur Entwicklung der Kalkablagerungen bei der Tendinosis calcarea beitragen. Der Druck im Sehnengewebe erhöht sich und die Sauerstoffversorgung der einzelnen Sehnenzellen wird geringer. Derart sterben Sehnenzellen ab und Kalk wir dort eingelagert, welcher im Laufe der Zeit immer mehr und mehr wird, bis richtige Kalkdepots entstanden sind und zu Einklemmungen und Schmerzen führen.
Wird die Schulter infolge der gereizten Sehnenansätze und damit verbundenen Schmerzen geschont, was regelmäßig der Fall ist, kann sich eine Schultersteife entwickeln.
Es schmerzt einerseits der Kalk an sich, und zwar wenn er im Raum unter dem Schulterdach einklemmt. Große Kalkdepots stellen in dieser Region ein mechanisches Hindernis dar, welches ähnlich "Sand im Getriebe" zu mechanischen Einklemmungen und Reizungen führt. Andererseits bereitet, insbesondere in der akuten Auflösungsphase der Durchbruch des Kalkes in den Schleimbeutel unter dem Schulterdach die Schmerzen.


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3D Modell: Die Kalkablagerung ( siehe: weißer Pfeil ) klemmt zwischen Oberarmkopf und Schulterhöhe ein.



3. Krankheitsphasen und Verlauf:

Zunächst verläuft die Erkrankung meist ohne Beschwerden. Der Kalk bildet sich und bereitet Monate und Jahre vorher keine Probleme. Manchmal sind es sogar Zufallsbefunde, die man anlässlich eines Röntgenbildes oder von Schichtbildern findet. Dabei ist zu unterscheiden, ob der Kalk für die dann aktuellen Beschwerden eine Bedeutung hat oder nicht.
Warum sich im Laufe der Zeit mit einem Mal Schmerzen bilden, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Es kann gewissermaßen einen Schub geben und plötzlich wird das Kalkdepot zum ( Schmerz- ) Problem.

Man unterscheidet vier Phasen:

1. Die Zellumwandlung / Transformationsphase: Die Sehnenzellen werden infolge Schwellung, Entzündung und vermehrten Drucks sowie verminderter Sauerstoffversorgung der Sehnenzellen in knorpelige Zellen umgewandelt. Sichtbar ist das noch nicht, weil noch keine Verkalkung stattgefunden hat. Unterschwellige Schulterschmerzen bestehen in dieser Phase u.U . schon Jahre vorher beim betroffenen Patienten - ohne dass man die Kalkablagerungen diagnostisch erfassen kann.

2. Verkalkungsphase: Die Knorpelzellen sterben ab und werden durch Kalkablagerungen in der Schulter / z.B. Supraspinatussehne ersetzt. Die Schulterschmerzen werden mehr. Die Diagnostik kann den Kalk jetzt erfassen.

3. Auflösungsphase ( Resorption ): Das Kalkdepot löst sich in der Schulter spontan auf. Die örtliche Entzündungsreaktion im Tunnel unter dem Schulterdach ist erheblich. Die Schulterschmerzen sind in dieser Phase heftig, weil der entzündete und aufgequollene Schleimbeutel ( Bursitis subakromialis ) keinen Platz hat, sich zwischen den beiden Knochen des Oberarmkopfes ( unten ) und knöchernem Schulterdach ( oben ) auszudehnen.


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Milchige Struktur, unscharfe Ränder im Röntgen. Das Kalkdepot löst sich auf.



4. Reparationsstadium: Die Region des aufgelösten Kalkdepots verheilt und örtlich bildet sich eine Vernarbung aus.

Bei Weitem nicht jeder Patient mit einer Tendinosis calcarea der Schulter durchläuft diese Erkrankungsphasen in dieser klassischen Form.


4. Klassifikation:
Im Wesentlichen unterscheidet man das akute vom chronischen Erkrankungsstadium. Die verschiedenen Entwicklungsstadien der Kalkdepotentwicklung beschreibt die Uhthoff Klassifikation. Röntgenologisch werden Kalkablagerungen mittels der Gärtner und Heyer, der Bosworth- und Mole-Klassifikationen beschrieben.


5. Häufigkeit:
Die weitaus meisten Kalkablagerungen an der Schulter treten im mittleren Lebensalter, d.h. zwischen dem 25. und 55. Lebensjahr, auf. 70 Prozent der Betroffenen sind Frauen und etwa 30 Prozent Männer. Warum gerade Frauen häufiger betroffen sind, ist bis heute nicht bekannt.


6. Risikofaktoren:
Spezielle Risikofaktoren sind nicht bekannt. Möglicherweise könnte eine Überkopftätigkeit - im Beruf und Freizeitsport - die Entwicklung der Kalkdepots begünstigen.


7. Diagnose:
Die diagnostische Abklärung beginnt mit einem ärztlichen Gespräch und Untersuchung. Die typischen Symptome werden abgefragt und eine allgemeine Schulteruntersuchung sowie spezielle Schultertests durchgeführt.

Kalkdepots lassen sich oft gut im Röntgen erkennen. Dazu kann man Röntgenaufnahmen in verschiedenen Drehstellungen des Armes oder auch Spezialaufnahmen anfertigen.


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Im Röntgen ist das Kalkdepot dicht und scharf begrenzt: chronisches Stadium.



Die Sonographie / Ultraschalluntersuchung kann die Kalkdepots indirekt darstellen, und zwar über die sog. "Schallauslöschung ". Begleitphänomene wie einen entzündeten Schleimbeutel unter dem Schulterdach oder Defekte in der Rotatorenmanschette kann die Sonographie der Schulter ebenso abbilden. Die Ultraschalluntersuchung hat den Vorteil der relativ breiten Verfügbarkeit, Strahlenfreiheit und Möglichkeit zur dynamischen Untersuchung ( d.h. Strukturen können unter Bewegung abgebildet werden ). Nachteilig ist die nicht ganz so gute direkte Darstellung der Kalkablagerungen.
Röntgen und Sonographie / Ultraschall werden überwiegend zur Diagnostik der Tendinitis calcarea eingesetzt.


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Kalkschulter im Ultraschallbild - Kalkdepot in der Supraspinatussehne.



Mittels der Kernspintomographie ( = MRT, Magnetresonanztomographie ) kann man die Tendinosis calcarea gut erkennen und auch begleitende krankhafte Befunde in den Weichteilen der Schulter.

Die Szintigraphie bildet die Kalkdepots als "Hot Spots" ( leuchtende Punkte ) ab. Sie wird aber praktisch gar nicht in der Diagnostik der Kalkschulter eingesetzt.

Auch eine Computertomographie ( sog. CT ) kann die Kalkablagerungen auf den normalen Schnittbildern und vor allem als 3D Rekonstruktion sehr gut abbilden. Es ist aber im Alltag nicht ganz so gebräuchlich ein CT anzufordern, weil die anderen, zuvorgennanten Verfahren, eher eingesetzt werden ( geringere Strahlenbelastung, dynamische Unteruschungsmöglichkeit ). Die CT setzt man z.B. ein, wenn Kalkdepots eine ungewöhnliche Lage haben und man sie zur operativen Entfernung genau lokalisieren muss.


8. Behandlung:
Behandlungsziel:
Das Ziel der nichtoperativen Maßnahmen der Kalkschulter ist die Schmerzlinderung, und zwar möglichst in Verbindung mit einer dauerhaften Beseitigung des Kalkdepots.


Konservative / nichtoperative Therapie einer Kalkschulter :
Im Vordergrund stehen zunächst nichtoperative Maßnahmen, wie die Verordnung von Schmerzmitteln und / oder Entzündungshemmern. Man unterscheidet im Wesentlichen konventionelle Schmerzmittel von Entzündungshemmern, den sog. nicht steroidalen Antiphlogistika ( NSAR ). Die NSAR wirken sowohl gegen Schmerzen und hemmen die Entzündung. Zurückhaltend sollte man mit den NSAR bei Nieren- und Magen- sowie Herzerkrankungen sein. Nimmt man diese Substanzen langfristig ein, entsprechend mehrerer wissenschaftlicher Studien, scheint das Risiko für einen Schlaganfall oder Herzinfarkt statistisch erhöht zu sein.
Eine andere Wirkstoffgruppe, die man auch einsetzt, sind muskelentspannende Medikamente ( sog. Muskelrelaxantien ). Sie sollen schmerzlindernd wirken.

Spritzen: Sie sind an der Schulter insbesondere während akuter Schmerzphasen geeignet. In der Regel setzt man etwa 3 Spritzen an das Kalkdepot oder unter das Schulterdach. Es werden meistens Medikamente wie Kortison kombiniert mit örtlichen Betäubungsmitteln ( Lokalanästetika ) gespritzt. Der dosierte und gezielte Einsatz von Cortison als Zusatz bei der Spritzentherapie der Schulter ist sehr sinnvoll und effektiv. Man muss aber wissen: Wird Kortison häufig an den Sehnenansatz über längere Zeit gespritzt, kann es zu Rissen der Sehnen - in Einzelfällen - kommen. Spritzen haben den Vorteil, daß sie sehr effektiv und schnell vom Schmerz bei der Tendinosis calcarea befreien, aber meist zeitlich begrenzt. Nachteilig ist, daß man in sehr seltenen Fällen eine Infektion verursachen kann. Bei Diabetikern ist man eher zurückhaltend mit Spritzen an die Schulter. Die Anwendung von Spritzen / Infiltrationen ist möglich. Das hat aber u.U. den Nachteil, dass Diabetiker infektanfälliger sind und Kortison zu mehr oder weniger deutlichen Schwankungen des Blutzuckerspiegels führen kann.
Eine Sonderform der Spritzentherapie stellt die Neuraltherapie / therapeutische Lokalanästhesie ( TLA ) dar. Mit wiederholten, in der Regel reinen örtlichen Betäubungen, z.B. sog. Triggerpunkte, versucht man das Erkrankungsbild der Kalkschulter zur Ruhe zu bringen.
Andere Varianten der Spritzentherapie, wie z.B. Blockaden des Nervengeflechtes ( sog. Plexusblockaden ) mittels Schmerzkathetern, kann man durchführen. Sie sind nicht die Therapie erster Wahl und werden insgesamt eher selten zur Behandlung der Verkalkungen an der Schulter angewandt.

Physiotherapie / Krankengymnastik: Sie ist ein wichtiges nichtoperatives Verfahren zur Schmerzlinderung und Dehnung verkürzter Schultermuskeln infolge Schonhaltung. Kalkablagerungen der Schulter verursachen vor allem auch chronische Schmerzen und mit der Physiotherapie / Krankengymnastik kann man der Entwicklung einer Schultersteife vorbeugen. Krankengymnastik und Physiotherapie werden auch nach der operativen Kalkentfernung an der Schulter angewandt und sind nach solchen arthroskopischen Entfernung bei der Kalkschulter in der Phase nach der Operation ( Nachbehandlung ) wertvoll. Die Kryotherapie / Kältetherapie findet im Rahmen der Krankengymnastik der Tendinitis calcarea u.U. Anwendung, und zwar vor wie auch nach einer Operation der Kalkschulter. Besonders in der akuten Auflösungsphase, die mit heftigen Schmerzen einhergeht, macht eine Kryotherapie in Verbindung mit z.B. Pendelübungen Sinn.
Mobilisationen der Schulter sind krankengymnastisch zur Bewegungsverbesserung oder Bewegungserhalt ( bei Schmerzen ) wichtig.
Ob letztendlich sog. zellbiologische Therapien in der Behandlung wirken und, ob sie den Krankheitsverlauf abkürzen, ist wissenschaftlich nicht nachhaltig geklärt.

Stoßwellentherapie: Bei ihr verwendet man unterschiedlich energetische Schallwellen. Vielen Patienten ist die Zertrümmerung von Nierensteinen geläufig. Das gleiche Prinzip findet an der Schulter zur Zertrümmerung der Kalkdepots Anwendung. Es werden gewissermaßen Risse im Kalkdepot von den Schallwellen erzeugt. Die entstehenden Kalkreste führen u.U. zu einer örtlichen Entzündung der Schulter und des Schleimbeutels unter dem Schulterdach, mit wenige Tage anhaltenden deutlichen Schmerzen ( als positives Zeichen des Auflösungsprozesses ). Die Kalkreste werden vom Körper selbst abgebaut. Die Lithotripsie / Stoßwellentherapie wird mit und ohne örtliche Betäubung angewandt. Sie hat den Vorteil, daß man eine Operation der Schulter vermeiden kann, wenn sie anschlägt. Man braucht keine Narkose. Von Nachteil ist, daß die Krankenkassen die Kosten nicht übernehmen. Es gibt unterschiedliche Therapieschemata und Dosierungen. Die Stoßwellentherapie nennt man auch Lithotripsie, Lithotrypsie, ESWA = extrakorporale Stoßwellennapplikation oder ESWT = extrakorporale Stoßwellentherapie. Ob sich das Kalkdepot durch die Stoßwellen definitiv auflöst, Reste oder das ganze Kalkdepot verbleiben und eine langfristige Beschwerdebefreiung eintreten wird, kann man bei diesem Verfahren nicht sicher im Einzelfall vorhersagen. Studien zufolge soll die Erfolgsquote der Stoßwellentherapie zwischen 35 und 75% liegen.

Akupunktur / Akupressur: Die Akupunktur dient der Schmerzlinderung. Die Akupressur kann vor allem die örtliche Durchblutung fördern. Beide Verfahren können das Kalkdepot nicht beseitigen. Sie sind schmerzlindernde Anwendungen. Bei der Akupunktur werden zunächst etwa 10 Sitzungen durchgeführt, indem man am Körper oder Ohr bzw. Schädel die Nadeln setzt. Geeignet sind die Akupunktur und Akupressur bei Kalkdepots vor allem in der chronischen Schmerzphase.

Röntgentiefenbestrahlung: Es ist eine seit Jahrzehnten benutztes Verfahren. Man kann mit der Röntgentiefenbestrahlung die Kalkdepots nicht entfernen, aber versuchen die Schmerzen zu beseitigen. Wenn sie anschlägt, hält es meistens mehrere Monate. Von Vorteil ist der Umstand, dass man keine Medikamente nehmen muss. Von Nachteil ist, dass man einer gewissen, aber niedrigen, Strahlendosis ausgesetzt ist. Es werden unterschiedliche Therapieschemata mit unterschiedlich vielen Sitzungen verwandt.

Needling: In wachem Zustand, meistens unter örtlicher Betäubung, wird das Kalkdepot mit einer Nadel eröffnet, und zwar unter Röntgenkontrolle. Oft wird das mit einer Spülung des angestochenen Kalkdepots verbunden. Man möchte den Kalk gewissermaßen herausspülen. Vor Entwicklung der arthroskopischen Schulterverfahren war es ein gängiger Eingriff, in den 80er und Anfang der 90er Jahre. Das Needling kann schmerzhaft und unangenehm für den Patienten sein. Es wurde durch Therapieverfahren wie der Lithotripsie und der arthroskopischen Kalkentfernung weitgehend abgelöst.
Ein Needling führt man heutzutage vereinzelt noch im Rahmen der arthroskopischen Operation manchmal durch.

Physikalische Therapie: Bei der physikalischen Therapie der Kalkschulter finden Verfahren wie der therapeutische Ultraschall oder die Elektrotherapie und Iontophorese Anwendung.
Bei der Ultraschallbehandlung wird ein Gel auf die Schulter aufgebracht und es werden therapeutische Ultraschallwellen benutzt, um örtlich die Durchblutung in der Region der Kalkablagerung zu fördern.
Ultraschall wird an der Schulter auch zu diagnostischen Zwecken eingesetzt, sondern auch als Therapieverfahren.
Bei der Elektrotherapie fördern Gleichströme / galvanische Ströme die örtliche Durchblutung am Kalkdepot der Schulter.
Und bei der Iontophorese bringt man ein Gel / eine Salbe an der Haut der Schulter auf. Mittels angelegter Elektroden werden diese Substanz - über den zwischen den Elektroden fließenden Strom - in die Tiefe gebracht.

Schulterorthesen / Schulterschienen: Sie spielen in der nichtoperativen Therapie der Tendinosis calcarea eine weit untergeordnete Rolle und finden kaum Anwendung. In der ganz akuten Phase, während eines Auflösungsprozesses, kann eine Armschlinge für wenige Tage sinnvoll sein.

Psychologisch / psychotherapeutische Behandlungen sind unüblich / kaum angewandte Therapiemethoden für Kalkdepots an der Schulter.


Operative Therapie der Kalkschulter:

Bestehen, trotz nichtoperativer Therapie, unverändert Probleme und Schulterschmerzen so werden die Kalkablagerungen endoskopisch - durch´s Schlüsseloch - oder in einer " Mini Open" Prozedur / minimalinvasiv oder offen operativ entfernt.

Die endoskopische Kalkdepotentfernung gehört zur Tagesroutine. Sie ist ein schonender und wenig schmerzhafter Eingriff, mit dem sich Kalkablagerungen präzise und dauerhaft entfernen lassen. Nicht selten wird der Eingriff ambulant durchgeführt.

Über 2 bis 3 kleinere, etwa 1 cm lange Schnitte, werden eine Endoskopiekamera und Werkzeug platziert. Der entzündete Schleimbeutel wird arthroskopisch entfernt und das Kalkdepot aufgesucht und mittels spezieller Löffel und arthroskopischer Präszisionsfräsen entfernt und abgesaugt.
Gerade dann, wenn die Schmerzen am schlimmsten sind ( bei einem Auflösungsprozess ) ist man mit operativen Maßnahmen eher zurückhaltend und wartet ab. Der Grund liegt darin, dass die heftigen Schmerzen binnen Tagen nachlassen, das Kalkdepot sich langsam auflöst und somit die Operation in diesen Fällen nicht notwendig wird.

Nach der arthroskopischen Kalkdepotentfernung darf und soll der Arm - beschwerdeangepasst - direkt bewegt werden. Den Erfolg der Kalkentfernung merkt man ziemlich schnell.
Nachteil der arthroskopischen Kalkentfernung ist der Umstand, daß man es nicht in wachem Zustand sondern unter Vollnarkose bzw. Leitungsbetäubung durchführt.
Von Vorteil ist der Umstand, dass die arthroskopische Kalkdepotentfernung an der Schulter ein Verfahren ist, welches die Kalkablagerungen auf Dauer und langfristig beseitigt.
Je nach individueller Situation wird die endoskopische Kalkentfernung an der Schulter mit einer Akromioplastik kombiniert. D.h. man schafft Luft im Tunnel unter dem Schulterdach ( Impingement ).



9. Nachbehandlung:
Unmittelbar nach der Operation wird das Operationsgebiet gekühlt. Schmerzmittel werden, soweit notwendig, verabreicht. Die Pflaster / Wundverbände werden in den ersten 10 Tagen zwischendurch gewechselt. Der Arm darf direkt benutzt werden. Eine Ruhigstellung in einer Schlinge / Schiene / Verband ist nicht notwendig. Die Fäden werden nach etwa 10 bis 12 Tagen entfernt. Bis dahin sollten der operierte Arm / die Schulter geschont werden.
Eine begleitende Krankengymnastik nach der Kalkdepotentfernung an der Schulter ist sinnvoll und wichtig, weil damit Verklebungen und Verwachsungen in der Schulter nach der Operation vorgebeugt wird.


10. Häufige Fragen ( FAQ´s):
Kann sich ein Kalkdepot auflösen ?
Ja. Kalkdepots können sich u.U. spontan auflösen. Ob und wann so etwas passiert, und ob es überhaupt stattfindet, ist nicht vorhersagbar.

Kommen Kalkdepots wieder ?
Ist das Kalkdepot einer Kalkschulter beseitigt ( unabhängig von der durchgeführten Therapie ), so ist die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Auftretens an der behandelten Schulter in Zukunft gering.

Was ist mit meiner anderen Schulter ?
Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer Kalkablagerung an der Gegenschulter, ist erhöht, sie liegt - je nach Studie - bei etwa 10 bis 20%.

11. Prognose:
Bleiben schmerzhafte Kalkdepots unbehandelt und man wartet den spontanen Verlauf ab, ist die prognose schwer zu stellen. Es kann sein, dass sie sich auflösen. Es kann sein, dass sie dauerhaft bleiben und mehr oder weniger Probleme bereiten.

Werden Kalkdepots konservativ behandelt bieten sich Erfolgsaussichten vor allem bei der Stoßwellentherapie und dem Needling, weil diese Verfahren auf eine Entfernung des Kalkes zielen, was aber nicht immer der Fall ist.

Wird eine Kalkdepot operativ arthroskopisch entfernt, kommt es in der Regel nicht wieder. Es hat keine Rezidivwahrscheinlichkeit. Heißt: In den Monaten und Jahren nach einer solchen Maßnahme ist nicht mit einem Wiederauftreten zu rechnen.

12. Abgrenzung:
Kalkdepots findet man im Übrigen auch an zahlreichen anderen Stellen des menschlichen Körpers. Sie sind öfter im Bereich der Wirbelsäule ( z.B. am sog. Longus colli Muskel ) zu finden oder in den Sehnen der Hüft- und Oberschenkelmuskulatur ( in den sog. Glutaeus medius oder -maximus Muskeln bzw. im Rectus femoris ). Eine weitere Stelle ist der Ellenbogen, wo Kalkablagerungen entstehen können. Auch dort können sie als Zufallsbefund und ohne Probleme vorhanden sein oder eben auch Schmerzen verursachen. Selten finden sich Kalkablagerungen an mehreren Stellen des Körpers.
Bei der sog. Pseudogicht ( Kristallarthropathie ) entstehen Verkalkungen in den Gelenken selbst ( z.B. am Knie ). Das hat aber nichts mit den chronischen Kalkablagerungen der Tendinosis calcarea zu tun. beides sind eigenständige, von einander unabhängige Erkrankungen.
Die Arteriosklerose ( Gefäßverkalkungen ) ist einen ebenso eigenständige unabhängige Erkrankung, welche nichts mit den Kalablagerungen an den Gelenken und der Wirbelsäule zu tun hat.


Fachbegriffe für eine Kalkschulter:
Tendinosis calcarea, Tendinosis kalkarea, Tendinitis calcarea, Tendinitis kalkarea, Kalkdepots, Kalkablagerungen, PHS calcificans, PHS kalzificans, Periarthropathie, aktive Kalkschulter, aktivierte Kalkschulter, symptomatische Kalkschulter, Verkalkungen der Schulter, Schulterverkalkungen, Bursitis calcarea, Bursitis kalkarea


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Wissenschaftliche Literatur:
1. Merolla G, et al, Calcific tendinitis of the rotator cuff: state of the art in diagnosis and treatment, J Orthop Trauma, 17(1):7-14, 2016
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