Alles wichtige Wissen rund um die Turnerschulter

Ein Service der Schultersprechstunde - Orthopädie, Klinikum Dortmund gGmbH


Turnerschulter

- Schulterverletzungen und Schultererkrankungen -



Ringe, Turner, Schulter


1. Wer ist von der Turnerschulter betroffen ( Epidemiologie ) ?
Im Turnsport sind Männer von Verletzungen und Überlastungsschäden wesentlich häufiger betroffen. In den verschiedenen Turnkadern ( A,B, und C ) trifft es ca. 30 % der Junioren und etwa 70 % der Senioren haben Probleme mit ihrer Schulter. im Vergleich zu Turnerinnen sind männliche Turner etwa 2,5 mal häufiger von chronischen Schulterschmerzen und 1,5 mal häufiger von akuten Schulterverletzungen betroffen.


2. Ursachen der Turnerschulter ( Ätiologie ):
Die häufigsten Ursachen für Schulterschmerzen beim Turnen sind technische Fehler, Ermüdung, zu wenige oder zu kurze Regenerationsphasen und manchmal auch eine nicht ausreichende Vorbereitung auf Wettkämpfe.
Generell sind Männer häufiger betroffen, weil sie an anderen Turngeräten tätig sind und weil auch andere Übungselemente im Vergleich zu den Frauen im Vordergrund stehen. Bei männlichen Turnern spielen Geräte wie der Barren, Reck, Ringe und Pauschenpferd eine größere Rolle als im weiblichen Turnsport. Die Arme sind bei Männern infolge dieser Sportgeräte vermehrt belastet, wohingegen im weiblichen Turnsport bodengebundene Übungen deutlich im Vordergrund stehen.


3. Typische Schulterverletzungen bei Turnen
Risse der Knorpelige am oben Schulterpfannenrand, sog. SLAP Läsionen, sind typische Verletzungen der Schulter beim Turner.
Sehnenrisse and Anrisse der Sehnen der Rotatorenmanschette können ebenso bei Stürzen entstehen wie auch Verletzungen der langen Bizepssehne.


4.Typische Überlastungsschäden der Schulter beim Turnen:
Die Knorpellippe, welche am Schulterpfannenrand verläuft und stabilisierend auf das Schultergelenk wirkt, scheint auch eine der Hauptstellen für Verschleissveränderungen der Schulter im Turnsport zu sein. Besonders häufig ist die Knorpellippe in ihren hinteren und oberen Anteilen von solchen Überlastungsschäden betroffen, Dabei entstehen an der Knorpellippe ( Labrum oder auch Limbus genannt ) Auffransungen und Auffaserungen, welche zu einer zunehmenden Instabilität des Schultergelenkes beim Turner beitragen.

Ebenso ist die Rötatorenmanschette, d.h . die Sehnen der tiefen Muskellage der Schulter, von solchen Verschleissveränderungen betroffen. Dabei fasern die Sehnen der Rotatorenmanschette an. Das kann bis hin zur Entwicklung von kompletten Löchern in den Sehnen gehen ( sog. Rotatorenmanschettenrisse ).

Auch ein anderer Teil der Rotatorenmanschette, die Sehnen des Subscapularismuskels, kann alleine infolge der hohen Belastung und Trainingshäufigkeit bei männlichen Turnern auffasern. Messungen haben ergeben, daß Kräfte, welche einem Drehmoment des 6 - 10 fachen des Körpergewichtes entsprechen, bei der Riesenfelge oder Tkatchev Grätsche auftreten.

Je früher und je länger ein Turntraining stattfindet ( über viele Jahre ) desto besser passt sich der menschliche Körper an diese Belastungen an. Dabei entsteht in den Schultern eine Verminderung der Innendrehfähigkeit, welche für den Turner / Turnerin durchaus vorteilhaft sein kann. Diese Einschränkung der Innendrehfähigkeit an den Schultern ( GIRD = glenohumerales Innenrotationsdefizit ) kann aber auch zur Entstehung von Überlastungsschäden beitragen. Man vermutet, daß sich das Rotationszentrum in der Schulter durch das Innendrehdefizit nach hinten und oben im Laufe der Zeit verlagert wird. Infolgedessen scheint es sich derart zu verhalten, daß Strukturen wie die Bizepssehne, die Knorpellippe und die Sehnen der Rotatorenmanschette zunehmend überlastet werden. Das ist aber z.T. noch Gegenstand der sportmedizinischen Forschung.


5. Wie wird die Turnerschulter behandelt ?
Maßnahmen wie Trainingspausen, Optimierung des Turntrainings und der Technik stehen im Vordergrund. Dem folgen Behandlungen mit Physiotherapie, Taping, ggf. Einnahme von Entzündungshemmern. Unterstützend wirken eine physikalische Therapie ( Eis, Ultraschall, Iontophorese, uvm. ). Man gibt diesen nichtoperativen Therapiemassnahmen beim Turnsportler etwa 8 - 12 Wochen Zeit.

Sollten nach diesen 8 - 12 Wochen immer noch Probleme bestehen und trotz all dieser konservativen Behandlungen keine Therapieerfolge eintreten, sind die meisten Schulterverletzungen und Überlastungsschäden der Turnerschulter durch arthroskopisch operative Eingriffe, als durch das Schlüsselloch, gut behandelbar. Teilrisse der Sehnen des Supraspinatus ( oberer Schultergrätenmuskel ) oder der langen Bizepssehne lassen sich gut endoskopisch glätten. Sind bereits komplette Sehnenlöcher entstanden, kann man diese arthroskopisch nähen. Das gleiche gilt für die o.g. SLAP Läsionen.


6. Wie hoch ist das Risiko, daß eine Turnerschulter zum Karriereende führt ?
Die meisten Turnerschultern lassen sich sehr gut behandeln. Voraussetzung ist, daß man die Beschwerden frühzeitig angeht und sie nicht verschleppt.

Ist es soweit, daß arthroskopisch operiert werden muss, liegt das Risiko, verschiedenen sportmedizinischen Studien zufolge, bei etwa 30%. D.h. 2 von 3 arthroskopisch operierten Turnerinnen und Turnern können ihrem Sport auf den früheren Leistungsniveau nach einer endoskopischen Schulteroperation wieder nachkommen.


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