Sport mit Schulterprothese - das geht und das geht nicht ...

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Schulterprothese und Sport

- was geht und was nicht geht -



von: Dr. med. Roland Sistermann


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1. Welche Sportarten sind mit einer Schulterprothese empfehlenswert ?

Man unterscheidet für Patienten, welche ein Schulterprothese erhalten haben, zwischen empfehlenswerten, eingeschränkt empfehlenswerten und nicht empfehlenswerten Sportarten.


Empfehlenswerte Sportarten
sind: Aqua-Jogging, Aerobic, Bowling, Gymnastik, Laufen, Kanu, Krafttraining unter Betreuung / Anleitung, Schwimmen, Radfahren, Skilanglauf, Tennis, Tanzen, Wandern und Nordic-Walking.

Eingeschränkt empfehlenswert sind für Endoprothesenträger an der Schulter: Alpinski, Eislaufen, Golf, Rudern, Reiten, Schießen, eigenständiges Krafttraining / Bodybuilding, Inlinesakten.

Nicht zu empfehlen sind folgende Sportarten: Squash, Badminton, Lacrosse, die meisten Kampfsportarten, Fußball, Handball, Volleyball, Basketball, Turnen, Tennis, Mountainbiken, Klettern und Hockey.

Allgemein gilt: Sportarten mit geringen Schulter- und Armbelastungen und niedrigem Sturzrisiko sind zu bevorzugen.


2. Wann kann es mit dem Sport nach einer Operation losgehen ?
Setzt man an dieser Stelle einmal voraus, dass eine normale Schulterprothese eingebaut wurde und ein normaler, ungestörter Verlauf, in den Wochen nach dem Einbau stattgefunden hat, kann man etwa 4 Monate nach der Schulterprothesenoperation langsam wieder beginnen Sport zu treiben.
Im ersten Jahr sollten hohe Punktbelastungen am operierten Arm vermieden werden. Belastungen mit hohen Scher-, Stoss- und Drehmomenten sollten in dieser Zeit ebenso unterbleiben.
In jedem Fall gilt: Sprechen Sie das mit Ihrem betreuenden Arzt / dem Operateur ab.


3. Wie hoch ist denn überhaupt die Wahrscheinlichkeit, dass ich nach der Operation wieder Sport mache ?
Dahingehend gibt es in der Literatur nur kleinere Studien. Diese sagen aus, dass etwa 3 Jahre nach dem Einbau einer Schulterprothese 90% der Patienten wieder Sport treiben. Ungefähr 70% der Befragten gaben an, dass sie nach einer solchen Operation ihren Sport besser ausüben konnten als vorher. Es scheint aber auch einen Trend zum Wechsel der Sportart zu geben. Und zwar wird öfter von einer für die Schulter hochbelastenden Sportart zu einem Sport geringerer Belastung gewechselt.


4. Kann Sport Lockerungen verursachen ?
Ja, Sport kann - in seltenen Fällen - zu einer Lockerung der Schulterprothese führen. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn es zu Stürzen auf den Arm / die Schulter kommt. Das kann z.B. beim Skifahren, Mountainbiken oder Klettern der Fall sein. Dann können sog. periprothetische Frakturen auftreten. Damit ist gemeint, dass es zu Knochenbrüchen im Bereich der Schulterprothese oder in deren Umgebung kommt. Entsprechend wird dann meistens eine aufwändigere Operation notwendig.
Ob langjährige Mikrobewegungen zur Lockerung einer solchen Prothese beitragen, weiß man nicht genau. Heutzutage geht man davon aus, dass Sportarten mit fliessenden Bewegungen, wie Schwimmen, Skilanglauf, Tai-Chi günstiger sind, als Sportarten mit Stop-and-Go-Bewegungen ( z.B. Squash, Badminton, Tennis Einzelspiele ).

5. Tipps und Tricks:
Es spielt eine Rolle, ob Sie mit der geplanten Sportart vorher langjährige Erfahrung hatten oder nicht. Sportler und Sportlerinnen, welche vor der Operation des künstlichen Schultergelenkes diesen Sport bereits betrieben haben, haben Vorteile. Beispielsweise wird eine langjährig vor der Operation trainierte Golferin diesen Sport schneller und sicherer mit der Schulterprothese wieder ausüben können, als jemand der mit dem Golfspiel neu anfängt. Muskeln, Reflexe und Bewegungsabläufe sind bei langjährig vorher in der Sportart tätigen Sportlern viel besser trainiert und sorgen für gleichmässigere und sicherere Bewegungsabläufe als bei Anfängern.

Sprechen Sie ggf. einmal bereits vor dem Einbau der Schulterprothese mit Ihrem Arzt und dem Operateur. Weisen Sie ihn ggf. darauf hin, ob Sie schon Vorerfahrungen in der geplanten Sportart haben oder, ob sie planen nach der Operation eine neue Sportart zu beginnen.

Eine engmaschige Zusammenarbeit und Absprache zwischen Operateur, Fach- / Hausarzt, Physiotherapeut und Patient sind gerade in den ersten Wochen und Monaten nach der Operation wichtig, um ein bestmöglich Resultat und einen hohen Aktivitätsgrad zu erreichen.


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Wissenschaftliche Literatur:
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