Die Schulterprothese - Typen, Operation, Geschichte, Gründe, Haltbarkeit, Nachbehandlung und mehr ...

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Die

Schulterprothese



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  • In den letzten Jahre hat die Schulterendoprothetik eine enorme Entwicklung erfahren. Es konnten beispielweise Langzeitergebnisse inverser Schulterprothesen zur Verfügung gestellt werden und neue Prothesentypen, wie die schaftfreie Schulterprothese oder die Kurzschaftprothese sind hinzugekommen. Sollten Sie sich selbst für ein künstliches Schultergelenk interessieren oder einer Ihrer Angehörigen betroffen sein, finden Sie auf dieser Seite einige hilfreiche Informationen:
  • Gründe
    Eine Veranlassung zum Einbau einer Schulterprothese, ergibt sich in erster Linie bei einer Zerstörung des Schulterhauptgelenkes. Also einem Verschleiss des Schultergelenkes ( Omarthrose ), welcher mittels nichtoperativer Massnahmen wie Spritzen, Tabletten, Bestrahlungen, usw. nicht mehr beherrschbar ist. Derartig gelagerte Zerstörungen können recht unterschiedlicher Natur sein. Ausgelöst durch heftige Schmerzen im Rahmen eines anlagebedingten Verschleiss des Gelenkes, kann es notwendig werden ein künstliches Gelenk einzubauen.

    Gelenkabrieb bei Rheuma kann ebenso in dem Einbau eines künstlichen Schultergelenkes münden. Bei Rheumapatienten entstehen einerseits die typischen Abriebschäden an Oberarmkopf und Schulterpfanne. Andererseits sind aber gerade bei Rheumatikern die Begleitschäden bei der Operationsplanung zu berücksichtigen. Vor allem kann die Rotatorenmanschette ( die Schulter umgebende Muskulatur ) gerissen sein. Oft bestehen schon grössere Zerstörungen der Pfanne. Die Planung einer rheumatischen Schulterprothese berücksichtigt insbesondere das Alter des Patienten, sein Aktivitätsniveau und voraussichtliche Lebenserwartung. Aber auch den Zustand der Muskulatur und der Knochenqualität der Schulterpfanne. Gerade beim Rheumatiker kommen ab und zu Oberflächenersatzprothesen neuerer Generation zum Einsatz.


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    Klassische Veranlassung für den Einbau einer Schulterprothese: Der fortgeschrittene Schulterverschleiss.



    Weitere Ursachen für eine Zerstörung der Schulter können komplizierte frische Oberarmkopfbrüche sein, welche aus zahlreichen Bruchstücken bestehen, so daß unmittelbar nach dem Unfall eine Rekonstruktion des Schultergelenkes technisch nicht mehr möglich ist. In solchen Fällen werden Schulterprothesen unmittelbar eingebaut. Veraltete Brüchen oder veraltete übersehene Schulterausrenkungen münden - bei anhaltenden Schmerzen - ebenso in einer Schulterprothese. Im Anfang ist durch den alten Bruch der Oberamkopf selbst zerstört. Wartet man zu lange greifen die Verschleisserscheinungen regelmässig die Schulterpfanne an. Dann ist zusätzlich ein künstlicher Pfannenersatz notwendig. Deshalb sollte man nach Oberarmkopfbrüchen nicht zu lange mit dem Einbau einer Schulterprothese warten. Folgeschäden an der Schulterpfanne sollten also möglichst vermieden werden.

    Seltenere Erkrankungen wie das Absterben des Oberarmkopfes ( Humeruskopfnekrose ) münden ebenfalls in einer Schulterprothese. Dabei handelt es sich um eine recht gute Indikation für den Einbau eines künstlichen Schultergelenkes. Man kann sehr gute Ergebnisse deshalb häufig erzielen, weil bei der Humeruskopfnekrose oft allein der Oberarmkopf zerstört ist. Die Schulterpfanne ist erhalten und man baut eine Halbprothese ( sog. Hemiprothese ) ein. Wenn die Zerstörung der Knochensubstanz des Oberarmkopfes nicht zu weit fortgeschritten ist, lassen sich sehr gut Oberflächenersatzprothesen der neuen Generation einbauen.

    Die Zerstörung des Schultergelenkes durch Tumoren betrifft häufig das obere Oberarmdrittel. Hier sind primäre Knochentumoren zu finden, aber auch Metastasen bzw. drohende Brüche infolge metastatischer Zerstörung. Es wurden in den letzten Jahre eine Reihe von Fortschritten in der Bestrahlung und Chemotherapie erzielt. Dennoch bleibt die chirurgische Therapie derzeit das Standardverfahren zur Entfernung von Tumoren in dieser Region. Ziel ist es bei einer solchen Operation den Tumor zu entfernen und einen grösstmöglichen Funktionserhalt zu erzielen. Nicht selten muss gar keine Schulterprothese eingebaut werden, sondern man entfernt den Tumor, füllt in ggf. mit Eigen- oder Fremdknochen auf, bzw. ergänzt diese Massnahme u.U. durch eine stabile Verplattung.

    Zustände nach Infektionen an der Schulter sind nach Jahren oft geprägt durch Dauerschmerzen. Vor allem die deutlichen Schmerzen geben letztendlich Veranlassung zum Einbau einer Schulterprothese. Speziell bei solchen Zuständen können u.U. selbst noch nach vielen Jahren Keime vorhanden sein, die theoretisch zu einem Wiederaufflackern der Entzündung beim / nach dem Protheseneinbau führen können. Dieses Restrisiko gilt es zu berücksichtigen und entsprechend die Operation zu planen bzw. Vorkehrungen zu treffen.

    Liegt eine akute Infektion vor oder fehlt die Muskulatur bzw. bei vorliegen von Nervenschäden, so wird man vom Einbau einer Schulterprothese absehen.
  • Typen
    Im Gegensatz zum Verschleiss anderer grosser Gelenke - wie Hüfte oder Knie - ist es bei einem einseitigen Abrieb an der Schulter ( also: nur Verschleiss am Oberarmkopf oder nur Verschleiss an der Schulterpfanne ) durchaus üblich auch nur einen Teil ( in der Regel den Oberarmkopf ) zu ersetzen. Man spricht dann von einer Hemiprothese ( Hemiarthroplastik ) - im Gegensatz zur "Total Shoulder" oder Vollprothese ( auch Totalarthroplastik genannt ), bei der sowohl der Oberarmkopf als auch die Pfanne ersetzt werden. Andere Schulterprothesentypen sind der Oberflächenersatz - auch Cup Prothese genannt - und die inverse Prothese wie auch die bipolare Schulterprothese werden in Fällen fortgeschrittener Zerstörung des Schultergelenkes eingebaut. Eine weitere Untergruppe bilden die sog. "schaftfreien Schulterprothesen".
  • Video

  • Zahlen & Daten
    Jährlich werden etwa 3000 künstliche Schultergelenke in Deutschland eingebaut. Hingegen setzt man pro etwa 150.000 künstliche Hüftgelenke und 100.000 Knieprothesen ein. Der verhältnismässig geringen Zahl von Schulterprothesen steht ein sehr breites Erkrankungsspektrum gegenüber, das Veranlassung zum Einbau einer Schulterprothese gibt. Die Wachstumsrate des Einbaues von Schulterprothesen ist weltweit gegenwärtig enorm.
  • Haltbarkeit
    Die heute verwendeten modernen Schulterprothesen werden seit den 70er Jahren eingebaut. Es handelt sich um Systeme, deren Entwicklungsstand sich in der 3. Generation befindet. In den "Standzeiten" ( Haltbarkeit ) entsprechen Schulterprothesen heutzutage voll und ganz den Ergebnissen von Hüft- und Knieprothesen hinsichtlich ihrer Langzeithaltbarkeit.
  • Wichtiges
    Es ist wichtig die Prothese zeitgerecht einzubauen. Besteht bereits eine Schwäche beim Aussendrehen des Armes, eine Muskelminderung oder Entrundung des Oberarmkopfes im Röntgenbild, kann immer noch gut eine Schmerzbefreiung erreicht werden. Weil aber in solchen Situationen die Muskeln, Sehnen und Gelenkkapsel bereits verklebt sind, wird die Beweglichkeit nach dem Einbau der Schulterprothese nicht mehr so gut, d.h. sie bleibt in der Regel unverändert. Der ideale Zeitpunkt zum Einbau der Schulterprothese ist vorhanden, wenn Schmerzen bestehen, nicht operative Behandlungsmassnahmen keine Abhilfe schaffen, der Patient den Arm noch aussendrehen kann und der Oberarmkopf im Röntgenbild noch rund ist - bei sichtbarem Verschleiss im Hauptgelenk. Es gelten andere Regeln als beispielsweise beim Einbau künstlicher Hüftgelenke. Einerseits ist ein zu früher Einbau nicht angesagt, andererseits bringt ein "Abwarten bis es nicht mehr geht " nicht mehr das gewünschte Ergebnis nach der Operation.
  • Pfannenersatz ?
    Insbesondere beim Schulterverschleiss und beim Rheuma stellt sich immer wieder die Frage, ob man auch eine künstliche Schulterpfanne miteinbauen soll oder nicht. Die Antwort ist einfach: es gibt keine einheitliche Richtlinie. Baut man eine Vollprothese ( d.h. Oberarmprothese und Pfannenersatz ) ein, sind die Frühergebnisse, d.h. die Schmerzbefreiung und insbesondere die Funktion, in den ersten Jahren besser als bei einer Halbprothese ( Oberarmprothese ohne Pfanne ). Der Nachteil besteht darin, dass gegenwärtig die Langzeitergebnisse zeigen, dass die Pfannenkomponente die schwächere ist. Sie macht Jahre vorher Probleme und lockert sich eher als der Oberarmanteil. Ursprünglich wurden alle künstlichen Pfannen einzementiert, in den 90er Jahren kamen zementfreie Pfannen auf den Markt. Welche Verankungerungsart besser ist, wird die Zukunft zeigen. Schlussendlich ist die Entscheidung, ob eine Pfanne miteingebaut wird sehr individuell zu treffen. Massgeblich sind Faktoren wie: die Darstellbarkeit der Pfanne bei der Operation, die Grunderkrankung, die zum Abrieb geführt hat, die Art des Abriebes an der Pfanne ( ist die Pfanne überhaupt abgerieben und wenn ja, zentral oder an deren Rändern ) usw.
  • OP-Technik
    Der Einbau eines künstlichen Schultergelenkes erfolgt während der Vollnarkose in Rückenlage. Zuvor kann durch den Narkosearzt ein sog. Plexuskatheter gelegt werden. Dieser sorgt für weiteghende Schmerzfreiheit in den Stunden und Tagen nach der Operation. Er hilft Schmerzmittel einzusparen und erleichtert auch die krankengymnastische Übungsbehandlung.
    Am häufigsten ist es üblich den Schnitt vorne an der Schulter anzulegen. Nach der Präparation von Haut, Unterhautfettgewebe und Muskulatur sowie Gelenkkapsel, wendet sich der Operateur dem Gelenk zu. Dieses wird ausgerenkt und ein Teil des Oberarmkopfes ( so er noch vorhanden ist ) tangential abgetragen und der Oberarm durch Raspeln für die Aufnahme des Schaftes vorbereitet. Abhängig von der Grunderkrankung und individuellen Situation wird zu entscheiden sein, ob auch der Einbau einer künstlichen Schulterpfanne notwendig ist.


    Zementierung, Schulterpfanne, Glenoid

    Einbau einer künstlichen Schulterpfanne.



    Die Frage, ob man ein zementiertes oder zementfreies System verwendet, ist von zahlreichen Faktoren abhängig. Dabei spielen Einflussgrössen wie die Knochenqualität, das Alter, die Passform oder auch das zugrundeliegende Leiden eine Rolle.

    Für Patienten, die besonders jung sind oder deren Muskelmanschette stark zerstört ist, stehen Spezialschulterprothesen in Form der Kappenprothesen / Cups oder der inversen Deltaprothese zur Verfügung. Das Video des Einbaus einer konventionellen Schulterprothesen können Sie sich oben auf dieser Seite ansehen. Klicken Sie bitte dazu dort auf den Abspielknopf.
  • Video Inverse

  • Nachbehandlung
    Zunächst wird der operierte Arm - am Körper anliegend - in einer Schlinge ruhig gestellt. Während des etwa 4 bis 8 Tage dauernden Krankenhausaufenthaltes wird passiv krankengymnastisch geübt. Der Arm wird passiv von der Therapeutin / -ten in die Hand genommen und nach dem am Ende der Operation festgelegten Bewegungsausmassen bewegt. Eine weitere Vorrichtung, welche zu dieser Zeit u.U. benutzt wird, ist der Schlingentisch. In ihm hängen die Physiotherapeuten den operierten Arm aus und können ihn derart weitgehend schmerzfrei und unter Entlastung bewegen.

    Das ist meistens für etwa 6 Wochen notwendig - also solange bis die operierten Sehnen / Muskulatur verheilt sind.

    Danach schließt sich ein Phase aktiver Übungsbehandlung für mehrere Woche an.

    Weitere Informationen zu sportlichen Aktivitäten mit einer Schulterprothese und alles Wichtige dazu finden Sie hier ...
  • Geschichte
    Der Franzose J.P. Pean entwickelte 1893 erstmals ein künstliches Schultergelenk. Dieses erste künstliche Gelenk bestand aus Platin und Hartgummi und wurde bei einem Patienten eingebaut, dessen Schultergelenk durch Tuberkulose zerstört war. Nach 2 Jahren musste der Chirurg Pean die künstliche Schulter wegen wiederholter und anhaltender Infektionen entfernen. Der Fall zeigte hingegen - trotz aller Komplikationen - dass mit einem künstlichen Schultergelenk eine Schmerzbefreiuung zu erreichen und die Schulterfunktion zu verbessern waren.

    Den ersten Schritt zur Entwicklung der modernen Schulterprothesen - wie wir sie heute kennen - wurde 1951 von dem amerikanischen Orthopäden Charles Neer II getätigt. Angetrieben von dem Wunsch komplizierte Oberarmbrüche versorgen zu können, entwickelte Neer die noch heute gebräuchliche Basiskonstruktion fuer Schulterprothesen. 1971 wurde von Stellbrink die künstliche Schulterpfanne vorgestellt. Er kombinierte die Oberarmprothese von Neer ( sog. Neer I Modell ) mit seiner künstlichen Pfanne und so entstand aus dem künstlichen Oberarmersatz von Neer die erste Schultervollprothese. Dieser totale Gelenkersatz der Schulter erhielt 1973 ein neues Design, es entstand das Neer II Modell, welches sich derart bewährt hat, dass es heute noch im Einsatz ist.

    Anfang der 90er Jahre wurden Modelle der zweiten Generation eingesetzt, sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie modular aufgebaut sind. Kopf und Schaft sind in ihrer Grösse, Ausrichtung und Neigung individuell einstellbar.

    Im Laufe der 90er Jahre kamen Systeme der dritten Generation auf den Markt. Mit ihnen konnte die Oberarmkopfgeometrie besser wiederhergestellt werden, Schulterpfannen liessen sich jetzt auch zementfrei verankern. Spezialprothesen, wie die inverse Schulterprothese, erlebten eine Renaissance.
  • Fachbegriffe
    Schulterendoprothese, künstliches Schultergelenk, Schultergelenkersatz, Endoprothetik Schulter, Hemiprothese, Total shoulder, Vollprothese, Schulterprothetik, Arthroplastie, Arthroplastik
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