Das ist das Wichtige und Wesentliche, was Sie zu Schlüsselbeinbrüchen wissen müssen

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Die

Schlüsselbeinbruch



von: Dr. med. Roland Sistermann


Schlüsselbeinbruch, Clavikulafraktur, 3D

Mittiger Schlüsselbeinbruch ( gelber Pfeil ), 3D-Blick von oben





Ein Schlüsselbeinbruch ist eine knöcherne Kontinutätsunterbrechnung des Schlüsselbeines, und zwar oft infolge eines Unfalles / Sturzes und manchmal aufgrund eines Tumors ( sog. pathologische Klavikulafraktur ) entstanden.



2. Beschwerden:

Die Betroffenen verspüren regelmäßig deutliche Schmerzen über dem Schlüsselbein. Ein Bluterguss / Schürfungen sind zu erkennen. Von außen betrachtet kann eine Deformierung am Schlüsselbein auftreten. Der betroffene Arm ist kaum und meist nur unter Schmerzen, im Akutfall, zu bewegen. Sehr selten können Bruchstücke durch die Haut spießen. Sehr selten kann es, infolge Gefäß- oder Nervenverletzungen, zu Durchblutungsstörungen oder Lähmungen kommen.



3. Entstehung:

Schlüsselbeinbrüche entstehen überwiegend durch Unfälle und Stürze, also traumatisch. Typisch sind diese Brüche zum Beispiel für Stürze beim Mountainbiking, Radfahren, Snowboarding und Skifahren. Manchmal entstehen Schlüsselbeinbrüche durch örtliche oder abgesiedelte Tumoren, welche das Schlüsselbein durch ihr Wachstum zerstören und in einem Bruch des Schlüsselbeines münden. Bei solchen Schlüsselbeinbrüchen spricht man von pathologischen Frakturen ( krankhaften Brüchen ).



4. Häufigkeit:

Männer sind deutlich eher betroffen als Frauen. Schlüsselbeinbrüche werden regelmäßig bei Stürzen von Radfahrern und Mountainbikern, Skifahrern bzw. auch Motorradfahrern beobachtet, wenn diese über den Lenker hinweg zu Fall kommen.
Etwa 70% der Schlüsselbeinbrüche treten im mittleren Drittel auf.


Röngen, Schulter, Schlüsselbeinbruch, Clavikulafraktur

Außenseitiger Schlüsselbeinbruch ( sog. laterale Clavikulafraktur )


5. Diagnose:

Neben der anfänglichen Befragung und Untersuchung ist vor allem das Röntgen des Schlüsselbeines, als bildgebendes Verfahren, die Methode der Wahl. Ergänzt werden kann das Röntgen des Schlüsselbeines u.U. durch Schichtbilder wie die Computertomographie. Der Bruch und die dreidimensionale Lagebeziehung sind derart gut analysierbar.

Begleitverletzungen der Weichteile, wie die der Rotatorenmanschette, o.ä. stellen sich mittels der Sonographie oder Kernspintomographie besser dar. Beim Verdacht auf Gefäßverletzungen kann es notwendig sein eine Ultraschall-Doppler-Untersuchung oder Kontrastmitteldarstellung der Gefäße ( DSA oder Angiographie ) durchzuführen, um das Ausmass und Lage der Gefäßverletzung zu erfassen. Sind begleitende Lähmungen vorhanden, wird man einen Neurologen hinzuziehen.



6. Komplikationen:

Schlüsselbeinbrüche können selten mit einem instabilen Schultergürtel, der sog. "floating shoulder", vergesellschaftet sein. Manchmal beobachtet man begeitende Ausrenkungen des Schultereckgelenkes oder des Gelenkes zwischen innerem Schlüsselbeinende und dem Brustbein ( das sog. Sternoclavikulargelenk ).
Kritisch können Schlüsselbeinbrüche dann werden, wenn sie mit begleitenden Gefäß- und / oder Nervenschäden einhergehen, weil die Bruchenden auf das Gefäß- / Nervenbündel / -geflecht drücken, welches direkt hinter dem Schlüsselbein - von Natur aus - verläuft. Selten sieht man offene Brüche, bei denen ein Bruchende durch die Haut spießt. Auch begleitende Verletzungen der Lunge ( sog. Hämatothorax oder Pneumothorax ) werden vereinzelt beobachtet.


CT, Schlüsselbeinbruch, Clavikulafraktur

Pseudarthrose ( Falschgelenk ) eines mittigen Schlüsselbeinbruches



7. Einteilungen:

Mit Hinblick auf die Lage der Schlüsselbeinbrüche unterscheidet man zwischen dem außenseitigen ( lateraler Schlüsselbeinbruch ), innenseitigen ( medialen Schlüsselbeinbrüchen ) und Brüchen im mittleren Drittel des Schlüsselbeines.

Eine weitere Unterscheidung der Schlüsselbeinbrüche ist die in traumatische ( Schlüsselbeinbrüche durch Unfall ) und krankhafte Schlüsselbeinbrüche ( sog. pathologische Brüche, z.B. infolge Tumoren ).

Die aussenseitigen ( lateralen ) Schlüsselbeinbrüche unterscheidet man in die Typen 1 bis 4.
Der Typ 1 liegt außenseitig der stabilisierenden Bänder ( coracoclavikuläre Bänder ) und ist stabil.
Der Typ 2 liegt in Höhe der Bandansätze der o.g. stabilisierenden Bänder.
Der Typ 3 liegt innenseitig der Bandansätze und ist als instabil anzusehen.
Der Typ 4 ist eine Sonderform. Dabei handelt es sich um äußere Schlüsselbeinbrüche im Kindes- und Jugendalter. Das äußere Schlüsselbeinende ist selbst nicht gebrochen, aber aus dem Knochenhautschlauch ausgetreten.



8. Behandlung:

Die oft beobachteten Schlüsselbeinbrüche des mittleren Drittels werden nicht operativ mit einem Rucksackverband versorgt. Das ist ein spezieller Verband, der achtertourförmig um beide Schlüsselbeine und durch beide Achselhöhlen angelegt wird, um das gebrochene mittlere Schlüsselbeindrittel zu stabilisieren. Diese Rucksackverbände müssen in etwa 6 Wochen getragen werden.


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Verplattung eines mittigen Schlüsselbeinbruches



Sollten komplizierte Schlüsselbeinbrüche, mit Gefäß- / Nervenverletzungen entstanden sein, wird meistens operativ vorgegangen, um das Nervengeflecht zu entlasten bzw. blutende Gefässe zu nähen. Das wird in der Regel mit einer stabilisierenden operativen Maßnahme, wie der Verwendung von Platten, Schrauben oder Drähte, kombiniert.

Außenseitige, sog. laterale Schlüsselbeinbrüche, versorgt man je nach Typ ( s.o. ) verschieden:
Der Typ 1 wird mit einer Schienung / Verband behandelt. Ist der Typ 2 Bruch des äußeren Schlüsselbeinendes wenig verschoben, behandelt man ohne Operation. Ist er mehr verschoben, wird man operativ tätig. Der Typ 3 wird mit einem Rucksackverband versorgt und den Typ 4 muss man operativ mit einer Richtung des Bruches und Stabilisierung therapieren. Die Versorgung dieser unterschiedlichen Brüche des äußeren Schlüsselbeinendes werden durchaus unterschiedlich diskutiert und es ist regelmäßig eine Einzelfallentscheidung zu treffen.

Bei der seltenen Floating shoulder besteht die Möglichkeit den Schlüsselbeinbruch operativ, beispielsweise mit einer Platte zu versorgen und den Schulterblattbruch konservativ - ohne OP - ausheilen zu lassen.

Verheilt ein Schlüsselbeinbruch unter der konservativen ( nichtoperativen ) Therapie nicht, d.h. es bildet sich ein Falschgelenk ( sog. Pseudarthrose ) aus, geht man operativ vor, indem man beispielsweise eine Verplattung, u.U. mit Anlagerung eines Knochentransplantates, vornimmt.


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Pseudarthrose ( Falschgelenk ) eines aussenseitigen Schlüsselbeinbruches ( gelber Pfeil )



9. Nachbehandlung:

Bei der nichtoperativen Behandlung werden Schlingen wie der Rucksackverband etwa 6 Wochen getragen.

Nach Operationen hängt es vom Einzelfall, und zwar dem Bruchtyp und der Art der operativen Versorgung, wie auch der Knochenqualität und den individuellen Patientengegebenheiten ab. Die Schwankungsbreite reicht von einer Ruhigstellung für einige Tage bis hin zu etwa 6 Wochen.
Begleitend werden Schmerzmedikamente verordnet und u.U. eine Physiotherapie / Krankengymnastik durchgeführt.


Verplattung, Platte, Schlüsselbein, Clavikula


Weitere Fachbegriffe:

Klavikulafraktur, Clavikulafraktur, mediale Clavikulafraktur, laterale Clavikulafraktur, Clavikula Fx


Wissenschaftliche Literatur:
1. Burnham JM, et al, Midshaft clavicle fractures: a critical review, Orthopedics, 39(5):e814-e821
2. Ockert B, et al, Distal clavicle fractures: classifications and management, Unfallchirurg, 118(5):397-406, 2015
3. Virtanen KJ, et al, Operative and nonoperative treatment of clavicle fractures in adults, Acat Orthop, 83(1):65-73, 2012
4. Lenza M, et al, Conservative interventions for treating middle third clavicle fractures in adolescent and adults, Cochrane Database Syst Rev, 15(2):CD007121, 2009


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