Alle Informationen rund um die Schleimbeutelentzündung an der Schulter

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Die Schleimbeutelentzündung
an der Schulter



Schleimbeutelentzuendung, Schulter

Schleimbeutelentzündung an der Schulter: Blick mit der Arthroskopiekamera unter das Schulterdach. Der Schleimbeutel ist deutlich gerötet, entzündet und bereitet Schulterschmerzen.



Inhaltsverzeichnis:
1. Definition
2. Entstehung
3. Symptome
4. Diagnose
5. Behandlung
6. Prognose
7. Nachbehandlung


1. Was ist eine Schleimbeutelentzündung an der Schulter ( Definition ) ?
Wie der Name schon sagt handelt es sich um eine schmerzhafte Entzündung eines der Schleimbeutel an der Schulter. Schleimbeutel sind Strukturen, welche als Puffer - zwischen mechanisch belasteten Körperregionen - funktionieren. Es gibt sie an verschiedensten Stellen des menschlichen Körpers, beispielsweise an der Streckseite der Knie oder Ellenbogen, an den Hüften aussenseitig oder im Bereich der Sprunggelenke. Schleimbeutel üben gewissermassen eine Schutzfunktion aus, indem sie zwischen mechanisch belasteten Körperteilen eine Verschiebeschicht bilden. An der Schulter gibt es im Wesentlichen vier Schleimbeutel, und zwar den zwischen dem Schulterdach ( Akromion ) und dem Oberarmkopf und den Schleimbeutel unter dem Rabenschnabelfortsatz ( subkorakoidal ) und darüberhinaus die Schleimbeutel vor dem Subscapularismuskel und den Schleimbeutel unter dem Deltamuskel.
Der Begriff Bursa bedeutet soviel wie " Beutel / Tasche " und stammt aus dem Lateinischen. Dieser Beutel wird aussen von einer Membran umgeben und ist innen mit einer klaren, leicht gelblichen Flüssigkeit gefüllt. Wir der Schleimbeutel mechanisch beansprucht füllt er sich mit mehr Flüssigkeit, dehnt sich aus und kann entweder eine nach aussen sichtbare Schwellung verursachen oder zwischen zwei Strukturen einklemmen und Schmerzen entstehen infolge der Einklemmung.
Meistens haben diese Schulterschleimbeutel eine Verbindung untereinander.
Am häufigsten ist der Schleimbeutel unter dem Schulterdach von Problemen betroffen ( die sog. " Bursitis subakromialis " ). Neben dem Schleimbeutel können sich auch die unmittelbar benachbarten Sehnen an der Schulter entzünden.



2. Wie entsteht eine Schleimbeutelentzündung an der Schulter ( Ätiologie ) ?
In der überwiegenden Zahl der Fälle spielt die mechanische Überlastung die ausschlaggebende Rolle. Exzessive Belastungen der jeweiligen Schulter / des jeweiligen Armes beim Sport, Arbeit oder Renovieren - mit Tätigkeiten in und über Schulterhöhe - lösen eine entsprechende Schleimbeutelentzündung aus.
Rheumatische Erkrankungen der Schulter können zur Entzündung der o.g. Schleimbeutel an der Schulter beitragen oder sie auch alleine verursachen.
Eine Reihe von klassischen Schultererkrankungen wie das Impingementsyndrom, Risse in der Rotatorenmanschette, eine Schultersteife im Akutstadium oder Kalkdepots führen zu mechanischen Irritationen im Tunnel unter dem Schulterdach und verursachen derart eine Entzündung des dort liegenden Schleimbeutels ( Bursitis subakromialis ).
Männer wie Frauen sind gleich betroffen und die Schleimbeutelentzündung an der Schulter kann in jedem Alter auftreten.
Wenn Kalkablagerungen in den Schleimbeutel einbrechen bezeichnet man es als Bursitis calcarea. Näheres dazu können Sie hier nachlesen.



3. Was merkt man bei einer Schleimbeutelentzündung an der Schulter ( Symptome ) ?
Schmerzen in der Schulter sind das Hauptproblem für die Betroffenen. Wird auf Schulterhöhe oder darüber gearbeitet machen sich diese Schulterschmerzen besonders bemerkbar oder auch das Anziehen einer Jacke kann bereits deutliche Probleme bereiten.
Zum Teil sind auch nächtliche Schmerzen in der betroffenen Schulter vorhanden. Weil man keine Nachtruhe findet, wenn man sich im Schlaf auf die betroffene Schulter dreht und sofort wach wird, suchen die Patienten eine Arzt auf.
Die Verläufe dieser Schleimbeutelentzündungen an der Schulter sind manchmal akut und entwickeln sich schnell ( d.h. binnen Stunden oder weniger Tage ). Häufig sind sie chronisch und entstehen über Wochen und Monate langsam und werden Schritt für Schritt schlimmer.



4. Wie stellt man eine Schleimbeutelentzündung an der Schulter fest ( Diagnostik ) ?
Es gibt eine Reihe klinischer Schulteruntersuchungstests, die eine Schleimbeutelentzündung nahelegen. Sie sind für den Arzt hilfreich und wichtig jedoch nicht spezifisch aussagekräftig als daß sie alleine zur Untersuchung ausreichen würden.
Ein wichtiges Verfahren zur Darstellung eines entzündeten Schleimbeutels an der Schulter ist die Sonographie / Ultraschalluntersuchung der Schulter. Die Schultersonographie kann auch z.B. begleitende Kalkdepots oder Risse in der Rotatorenmanschette aufdecken.
Ein weiteres Verfahren, welches die entzündeten Schleimbeutel der Schulter sehr gut darstellen kann, ist Kernspintomographie der Schulter. Sie ist aber nicht das Mittel der ersten Wahl, sondern kommt erst in zweiter Linie zur Anwendung.



5. Wie behandelt man eine Schleimbeutelentzündung an der Schulter ( Therapie ) ?
Die weit überwiegende Mehrzahl der Schleimbeutelentzündungen an der Schulter wird in orthopädischen Praxen und Hausarztpraxen mittels Massnahmen wie Entzündungshemmern / Verordnung von Medikamenten und Schonung sowie kühlen behandelt. In besonders schmerzhaften oder hartnäckigen Fällen ist es sehr effektiv eine Spritze direkt in den Schleimbeutel / an die Schulter zu verabreichen, welche meistens ein örtliches Betäubungsmittel und Kortison enthält.
Begleitend können physikalische Therapien, wie Eis, Ultraschall und die Iontophorese eingesetzt werden.
Eine weitere effektive Therapiemöglichkeit stellt die Akupunktur dar.
Wichtig ist vor allem, daß die / der Betroffene Tätigkeiten vermeidet, welche die Schleimbeutelentzündung an der Schulter ausgelöst haben und unterhalten können. Im Einzelfall sind diese Tätigkeiten sehr unterschiedlich. Es handelt sich aber meistens um ein Hantieren mit der betroffenen Schulter / Arm in und über Schulterhöhe.

Versagt die nichtoperative Therapie der Schleimbeutelentzündung an der Schulter, wird der entzündete Schleimbeutel arthroskopisch mittels einer Schlüssellochoperation entfernt. Diese Schulterarthroskopie ist eine sehr effektive Massnahme, um das Problem des entzündeten Schleimbeutels dauerhaft los zu werden. Liegen begleitende Schultererkrankungen wie, z.B. einklemmende Kalkdepots oder Risse in der Rotatorenmanschette vor, werden sie arthroskopisch in gleicher Operation mitbehoben bzw. Engen unter dem Schulterdach beim Impingement durch eine sog. Akromioplastik arthroskopisch beseitigt.
Die alleinige Entfernung eines entzündeten Schulterschleimbeutels durch eine solche OP dauert wenige Minuten und der Arm und Schulter können binnen einiger Tage wieder eingesetzt werden.


6. Wie ist die Prognose einer Schleimbeutelentzündung an der Schulter ?
Schleimbeutelentzündungen an der Schulter können sehr hartnäckig und langwierig sein. In fast allen Fällen heilen sie nach mehr oder weniger langer Zeit und entsprechender konservativer / operativer Therapie folgenlos aus und der menschliche Körper bildet im Laufe der Wochen einen neuen Schleimbeutel, der sich - nach beseitigtem mechanischen Hindernissen - nicht mehr entzündet.



7. Wie wird eine Schleimbeutelentzündung an der Schulter nachbehandelt ( Rehabilitation ) ?
Wenn ein entzündeter Schleimbeutel arthroskopisch entfernt werden musste, wird unmittelbar nach der Schulterarthroskopie gekühlt und mit den üblichen Schmerzmitteln in den ersten Tagen behandelt. Der operierte Arm und Schulter dürfen direkt aktiv und frei - beschwerdeangepasst - bewegt werden. Verbände werden in den ersten Tagen gewechselt und etwa nach 10 bis 12 Tagen die Hautnahtfäden gezogen.


Gleiche / Ähnliche Begriffe für eine Schleimbeutelentzündung an der Schulter:
Bursitis subakromialis, Bursitis subscapularis, Bursitis subcoracoidalis, Bursitis subdeltoidea


Orthopädie, Schultersprechstunde, Klinikum Dortmund ( Mitte ), Beurhausstrasse 40,
D-44137 Dortmund, 0231-953-21851





Autor und Ansprechpartner: Dr. med. Roland Sistermann, Leitender Arzt Schulter- und Ellenbogenchirurgie, Orthopädie, Klinikum Dortmund-Mitte