Sehr schmerzhaft und oft unerkannt - die Einklemmung des Axiallarisnerven

Ein Service der Schultersprechstunde - Orthopädie, Klinikum Dortmund gGmbH


Quadrilaterales

Space

Syndrom



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Frontales Kernspintomogrammbild der rechten Schulter: In der Achselhöhle ist eine ( weisse ) Zyste ( = schwarzer Pfeil ) sichtbar, welche bei einem Volleyballsportler ein Quadrilaterales Space Syndrom verursacht hat.



Inhalt:

1. Definition

2. Beschwerden

3. Entstehung

4. Diagnose

5. Behandlung


1. Was ist ein Quadrilaterales Space Syndrom ( Definition ) ?
Es handelt sich um eine Einklemmung des Axillarisnerven ( manchmal zusammen mit der hinteren Schlagader, welche den Oberarmkopf versorgt -> Arteria circumflexa humeri posterior ), und zwar im Bereich der hinteren Achsellücke. Dort werden der Nerv und evtl. das Blutgefäss zwischen dem Teres minor Muskel ( oben ) und dem Teres major Muskel ( unten ) sowie dem langen Kopf des Tricepsmuskels ( innen ) und dem Oberarmschaftknochen ( aussen ) eingeengt.


2. Was merkt man bei einem Quadrilateralen Space Syndrom ( Symptome ) ?
Typisch sind dumpfe Schmerzen an der Rück- und / oder Aussenseite der betroffenen Schulter. Der typische Patient ist Sportler und zwischen 20 und 40 Jahren alt - muss es aber nicht immer sein. Eine lange Vorgeschichte mit Hinzuziehen verschiedenster Ärzte und Behandlung wegen Schulter- und / oder Wirbelsäulenbeschwerden ist typisch.
Klassisch sind Schmerzen über dem Schulterblatt und etwas aussenseitig davon.
Insgesamt können die Schmerzen stichartig und heftig werden.
Nachtschmerzen gehören ebenso zum typischen Beschwerdebild.
Die Schmerzen werden oft bei Abspreiz- und / oder Aussendrehbewegung des betroffenen Armes in der Schulter schlimmer ( z.B. Ausholen zum Werfen eines Balles ).
Auch ein Taubheitsgefühl kann, z.B. aussen an der Schulter - infolge Quetschung des Axillarisnerven - bestehen. Hinten aussen ist die Schulter regelmässig druckschmerzhaft.


3. Wie entsteht ein Quadrilaterales Space Syndrom ( Ätiologie ) ?
Die Entstehung des Quadrilateralen Space Syndromes liegt im Unklaren. Sowohl der Axillarisnerv als auch die Arterie verlaufen durch die hintere Achsellücke. Quetschungen infolge Verletzungen mit begleitenden Blutergüssen oder auch Tumoren sind nicht selten die Ursache. Anlagebedingte Engen der hinteren Achsellücke und bindegewebige Stränge können eine oder beide Strukturen ( Nerv und / oder Gefäss ) abquetschen. Besonders bei einer kombinierten Abspreiz- und Aussendrehbewegung ( z.B. Ausholen mit dem Arm, um einen Ball zu werfen ) kommt es zur Einengung des Gefässes und Nerven. Am meisten beobachtet man sog. Zysten, welche hinten und unten an der Schulter liegen und die hintere Achsellücke mit dem dort befindlichen Nerven und Gefäss abquetschen.


4. Wie stellt man ein Quadrilaterales Space Syndrom fest ( Diagnostik ) ?
Die Beschwerden des Betroffenen liefern erste Hinweise. Im Ultraschall kann man Zysten in der Achselhöhle als echoarme Strukturen erkennen oder manchmal Raumforderungen in der Sonografie, welche sich hinten und unten an der Schulter befinden.
Am besten sieht man entsprechende Veränderungen im Kernspintomogramm ( MRT ). Im konventionellen MRT stellen sich Blutergüsse, Tumore und Zysten dar. Verschmächtigungen und ggf. Verfettungen des Teres minor Muskels sind ebenso immer wieder beim Quadrilateralen Space Syndrom im MRT sichtbar.
Zur Verbesserung der Diagnostik kann man ein Kernspintomogramm mit einer Kontrastmittelgabe kombinieren.
Messungen der Nervenletgeschwindigkeit ( sog. NLG, EMG, Neurogafie ) sind selten zielführend.


5. Was macht man bei einem Quadrilateralen Space Syndrom ( Therapie ) ?
Wenn die Beschwerden schwach ausgeprägt sind, d.h. wenig Schulterschmerzen vorhanden sind und ggf. eine Kraftschwäche nicht so ausgeprägt ist oder die Taubheit wenig Irritationen bereitet, kann man abwarten und die Angelegenheit beobachten bzw. ein Trainingsprogramm über mehrere Monate zur Kräftigung der geschwächten Teres minor Muskulatur einleiten.
Bestehen ausgeprägtere Beschwerden, können die Zysten arthroskopisch - ansonsten offen - dekomprimiert / entlastet werden. Narbenstränge, grössere Zysten, Blutergüsse oder Tumore müssen offen operativ entfernt werden.


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An der linken Schulter wird in Seitenlage über einen Schnitt an der Rückseite die hintere / aussenseitige Achsellücke bei einem Quadrilateralen Space Syndrom dargestellt, um den dort befindlichen Nerven und ggf. das Blutgefäss zu entlasten.



Fachbegriffe ( Synonyme ):
QSS, Quadrianguläres Spacesyndrom, Quandranguläres Space Syndrom


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