Das ist für Sie das wichtige und wesentliche Wissen zu inversen Schulterprothesen

Ein Service der Schultersprechstunde - Orthopädie, Klinikum Dortmund gGmbH


Inverse

Schulterprothese



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  • Eine inverse Schulterprothese ist ein künstlicher Gelenkersatz, der für Situationen geeignet ist, welche man mit normalen Schulterprothesen nicht mehr versorgen kann ( z.B. wenn gleichzeitig ein Verschleiss in der Schulter und eine Sehnendefekt in der Rotatorenmanschette vorliegt ). Dabei bedeutet „invers“, daß diese Schulterprothesentypen umgekehrt konstruiert sind. Die künstliche Kugel sitzt auf der Schulterpfanne ( und nicht wie bei der normalen Prothese auf dem Schaft ). Und auf dem Schaft der inversen Schulterprothese sitzt die künstliche Pfanne.

    Andere Namen für die Grammontprothese sind: inverse Schulterprothese oder Deltaprothese. Alle drei Namen bezeichnen ein und dieselbe Schulterprothese. Andere Begriffe sind: reverse Prothese, Schulterspezialprothese.
  • Konstruktion
    Diese künstlichen Schultergelenke werden als „invers“ bezeichnet, weil sie im Vergleich zu einem normalen künstlichen Schultergelenk – umgekehrt konstruiert sind. Das bedeutet: Bei normalen Schulterprothesen sitzt die Kugel des künstlichen Gelenkes auf dem künstlichen Oberarmschaft und die künstliche Schulterpfanne wird dort eingebaut, wo die knöcherne Schulterpfanne liegt, welche abgerieben ist. Die inverse Prothese ist genau umgekehrt konstruiert. Bei ihr sitzt die Kugel auf der Schulterpfanne und die künstliche Schulterpfanne auf dem Oberarmschaft.
    Der Grund warum diese Prothesen derart konstruiert werden, liegt darin dass man aus biomechanischer Sicht das Drehzentrum der Schulter nach unten und innen verlagert. Das hat den entscheidenden Vorteil, dass man nur auf einen Muskel zur Funktion der Prothese angewiesen ist, und zwar auf den Deltamuskel. Bei der normalen Schulterprothese braucht man die Muskeln der Rotatorenmanschette, damit das künstliche Schultergelenk ordentlich funktioniert. Bei der Deltaprothese nicht.
  • Gründe
    Man kann mit der Deltaprothesen Situationen versorgen bei denen ein Verschleiss im Schultergelenk vorliegt und gleichzeitig die Schultermuskulatur ( sog. Rotatorenmanschette ) in grösserem Umfang gerissen ist - folglich Situationen in denen eine normale Schulterprothese versagt.

    Haben sich normale Schulterprothesen gelockert, kann man als Wechselimplantat eine inverse Schulterprothese einbauen.

    Nach Trümmerbrüchen des Oberarmkopfes ist es üblich, als direkte Alternative zur Verwaltung oder Verschraubung / Nagelung, direkt eine inverse Schulterprothese einbauen ( zur Erstversorgung ).

    Ausgedehnte Zerstörungen des Schultergelenkes, z.B. nach Tumoren oder Infektionen, können den Einbau einer inversen Schulterprothese notwendig machen.

    Auch bei verspätet festgestellten und verhakten Ausrenkungen der Schulter kann u.U. der Einbau eines inversen Schultergelenkes eine gute Lösung sein.
  • Video



    Video ( 7:27 Min ): Der Einbau einer inversen Schulterprothese.

  • Komplikationen
    Inverse Schulterprothesen sind in denl etzten Jahren zu einem Standardeingriff geworden.

    Wie bei jeder Operation können die allgemeinen Komplikationen auftreten ( z.B. Thrombose, Embolie, Blutung, Infektion, Wundheilungsstörung, Nervenschaden ).
    Eine inverse Schulterprothese kann sich - wie jedes künstliche Gelenk - nach einem Jahrzehnt oder etwas mehr lockern.
    Eine der häufigsten Komplikationen einer inversen Schulterprothese ist die Infektion.
    Sie kann auskugeln und u.U. könnte eine frühzeitige Lockerung am unteren Pfannenpol auftreten.
    Bei älteren Patienten mit einer Fallneigung kann die inverse Schulterprothese nach Stürzen u.U. ausbrechen ( sog. periprothetische Frakturen ).
    Manchmal kann sich insbesondere die untere Schraube der Pfannenverankerung frühzeitig lockern ( sog. inferiores skapuläres notching ).
  • Vorteile & Nachteile
    Vorteile: Man kann mit inversen Schulterprothesen sehr gut extreme Erkrankungs- oder Verletzungssituationen an der Schulter beherrschen, z.B. die Kombination eines Verschleisses der Schulter ( sog. Omarthrose ) in Verbindung mit einem grösseren Defekt in der Rotatorenmanschette ( sog. Defektarthropathie ). Schmerzen werden in solchen Situationen gut mit inversen Schulterprothesen beseitigt. Derzeit kann man das Vorwärtsführen des Armes gut wiederherstellen, jedoch verbleibt eine Schwäche - meist unverändert wie vor einer Operation - für die Rotation. Wobei das mit einem zusätzlichen Muskeltransfer ggf. verbessert werden kann.
    Auch ausgeprägte Trümmerbrüche des Oberarmkopfes lassen sich mit einem Soforteinbau einer inversen Schulterprothese ( keine anfängliche Verplattung / Verschraubung / Nagelung ) gut beherrschen.

    Nachteilig ist der Umstand, dass eine inverse Schulterprothese ein relativ grosses Implantat ist. Das zieht u.U,. eine längere OP Zeit ( 2-3 Stunden ) nach sich und geht mit einer erhöhten Komplikationsrate, z.B. Infektionen, einher. Deshalb gehört der Einbau einer inversen Schulterprothese in geübte Hände.

    Bis vor einigen Jahren war eine Wechseloperation bei der Lockerung einer inversen Schulterprothese problematisch, weil die Rückzugsmöglichkeiten gering waren. Dieser Nachteil hat sich in den letzten Jahren deutlich gebessert. Modulare Prothesensysteme erlauben den Umbau zu einer Heimprothese. Spezialimplantate im Pfannenbereich, wie z.B. Schraubpfannen, oder längere Verankerungszapfen im Pfannenbereiche, die man mit einem Knochentransplantat kombiniert, erlauben bessere Austauschmöglichkeiten.
    Auch der anfängliche Einbau, der mittlerweile verfügbaren konvertiblen inversen Kurzschaftprothesen, verbessert langfristig die Austauschmöglichkeiten im Falle einer Lockerung.
  • Nachbehandlung
    Der Krankenhausaufenthalt dauert ca. 7 bis 10 Tage. In dieser Zeit wird z.B. die Schmerztherapie durchgeführt, die erste Krankengymnastik gestartet, Verbandwechsel und Wundkontrollen durchgeführt.
    Im Wesentlichen hängt die Rehabilitation von der Ausgangsituation ab. Je früher, d.h. zeitgerechter / zur richtigen Zeit, ein Patient kommt und umso besser die Beweglichkeit zu Beginn der Operation ist desto besser kann man beim Einbau der inversen Schulterprothese die Muskeln und Sehnen schonen. Dann kann u.U. nach 1 bis 2 Wochen der operierte Arm aus der Schlinge genommen werden. Im Mittel verbleibt eine Schulterschiene nach der Operation für 3-5 Wochen. In dieser zeit wird passiv aus der Schulterschienen heraus physiktherapeutisch geübt.
    Wartet man " bis es nicht mehr geht " ist meistens eine Ruhigstellung für 5 bis 6 Wochen in einer Armschlinge / -schiene notwendig.
  • Fachbegriffe
    Deltaprothese, Grammont Prothese, reverse Prothese
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Orthopädie, Schultersprechstunde, Klinikum Dortmund ( Mitte ), Beurhausstrasse 40, D-44137 Dortmund, Tel.: 0231-953-21851



Autor und Ansprechpartner: Dr. med. Roland Sistermann, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Leitender Arzt Schulter- und Ellenbogenchirurgie, Orthopädie, Klinikum Dortmund-Mitte