Allles rund um die klassische Operation der Schultereckegelenksprengung

Ein Service der Schultersprechstunde - Orthopädie, Klinikum Dortmund gGmbH



Hakenplatte



Hakenplatte, Original



  • Unter einer Hakenplatte versteht ein Metallimplantat, welches man an der Schulter im Rahmen von Operationen nach Sprengungen des Schultereckgelenkes einbringt. Es ist eine Metallplatte, welche aufgrund ihrer gebogenen Hakenform an dem einen Ende, als "Hakenplatte" bezeichnet wird. Der Sinn dieses Hakens ist es die Platte fest unter dem knöchernen Schulterdach zu fixieren und den gerissenen und genähten Bändern am äusseren Schlüsselbeinen ( CC Bänder oder auch: coracoclavikuläre Bänder bzw. Ligamentum conoideum / trapezoideum ) oder einem Bandtransplantat / -ersatz für mehrere Wochen Gelegenheit zum Einheilen zu bieten.
  • Röntgenbild
    Hakenplatte, Röntgenbild

    Röntgenbild Hakenplatte

  • OP Veranlassung
    Hakenplatten werden an der Schulter seit Jahrzehnten zur Stabilisierung von Sprengungen am Schultereckgelenk eingesetzt. Im Laufe der Jahre haben Sie immer wieder zahlreiche Verbesserungen in ihrer Konstruktion erfahren.
    Wenn die Bänder am äusseren Schlüsselbeinende reissen und das Schultereckgelenk instabil wird, sind Hakenplatten ein Mittel, um die Sprengung zu stabilisieren. Typischerweise werden Hakenplatten bei höhergradigen Sprengungen des Schultereckgelenkes eingesetzt, also bei Schultereckgelenksprengung des Typs Rockwood 4 und 5, z.T. auch bei Sonderformen des Types 2 und 3 ( d.h. wenn zusätzlich auch eine horizontale Instabilität beim Typ 2 oder 3 besteht ) . Sie finden also ihren Einsatz, wenn das äussere Schlüsselbeinende deutlich horizontal, vertikal oder kombiniert instabil ist.
    Man setzt z.B. auch Hakenplatten ein, wenn andere Implantate, wie ein Tight ropes oder Dog bone button ( endoskopische oder offene Flaschenzugsysteme ) versagen.
  • OP-Technik
    Die Hakenplatte wird im Rahmen einer offenen Schulteroperation eingebracht. Dazu wird längs oder quer ein kurzer Hautschnitt über dem betroffenen Schultereckgelenk angelegt. Nach Durchtrennung der Haut und des Unterhautfettgewebes werden das äussere Schlüsselbeinende und Schultereckgelenk dargestellt. Ggf. wird etwas Knochen am äusseren Schlüsselbeinende entfernt ( sog. laterale Clavikularesektion ). Das hochstehende äussere Schlüsselbeinende wird gerichtet und in Position gehalten. Danach wird die Hakenplatte angebracht, indem man den Haken unter das knöcherne Schulterdach platziert und die Fläche der Platte von der Oberseite des Schlüsselbeinendes aus verschraubt. Zwischenzeitlich wird ggf. eine Röntgenpositionskontrolle durchgeführt und eine Feinpositionierung der Hakenplatte vorgenommen. Danach wird die Hakenplatte verschraubt. Es werden anschliessend die gerissenen Bänder am äusseren Schlüsselbeinen vernäht oder eine Bandersatz oder -transplanat vernäht und danach die Wunde Schritt für Schritt verschlossen.
    Es ist üblich die Hakenplatte nach etwa 3 Monaten zu entfernen. Dieser operative Eingriff der Metallentfernung ist kleiner als die Erstoperation.
  • Alternativen
    Ja. Zur Stabilisierung einer Schultereckgelenksprengung können auch Drähte mit einer sog. Zuggurtung ( Drahtachtertour ) verwendet werden oder eine Schraube zwischen dem äusseren Schlüsselbein und Rabenschnabelfortsatz ( sog. Bosworth Schraube ). Gebräuchlich sind auch kleinere Flaschenzugsysteme, welche offen oder endoskopisch eingebracht werden ( sog. Tight oder Graft topes oder dog bone button ). Diese Verfahren können mit Bandnähten, Bandtransplantationen oder Sehnentransplantationen z.B. kombiniert werden.
  • Operationsrisiken
    Spezielle Risiken der Hakenplatte sind der mögliche Ausbruch einer solchen Platte in den Tagen und Wochen nach der Operation.
    Ausserdem bestehen die allgemeinen OP Risiken der Thrombose, Embolie, Blutung, Infektion / Wundheilungsstörung oder der theoretischen Verletzung von Gefässen / Nerven. Diese Risiken reduziert man durch vorbeugende Massnahmen wie der Gabe von Antibiotika vor Beginn der Operation oder der Verabreichung von Thrombosespritzen / Tabletten. Bei arthroskopischen Eingriffen durch´s Schlüsselloch sind diese Risiken geringer als beim offenen Vorgehen.
  • Vor- und Nachteile
    Im Vergleich zu anderen Systemen bietet die Hakenplatte den Nachteil, daß sie immer offen operativ, jedoch über einen verhältnismässig kleinen Schnitt eingebracht wird. Ein weiterer Nachteil ist die Notwendigkeit zur Zweitoperation, d.h. nach etwa 12 Wochen muss die Hakenplatte entfernt werden werden.
    Der Vorteil der Versorgung mit einer Hakenplatte besteht darin, daß eine sehr hohe Stabilität erreicht wird. Überkorrekturen, wie z.B. bei Flaschenzugsystemen spielen bei der Hakenplatte keine wesentliche Rolle. Die OP Zeit einer Hakenplatte kann, bei einem geübten Operateur, relativ kurz sein - im Vergleich zu einer endoskopischen Versorgung. Die Spätversagerrate nach einer Hakenplattenversorgung ( Monate und Jahre später ) kann u.U. geringer sein. Das ist aber noch nicht ganz belastbar wissenschaftlich belegt.
  • Nachbehandlung
    Die operierten Patienten / Patientinnen dürfen in der Regel unmittelbar nach der Operation aktiv und frei bewegen. Bewegungen in und über Schulterhöhe sollten vermieden werden, weil sonst eine Lockerung der Platte droht. Eine begleitende Physiotherapie kann meistens aktiv durchgeführt werden und die Hakenplatte selbst wird nach ca. 3 Monaten entfernt.
  • Fachbegriffe
    Hook Platte, plate
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Orthopädie, Schultersprechstunde, Klinikum Dortmund ( Mitte ), Beurhausstrasse 40, D-44137 Dortmund, 0231-953-21851