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Die Cup Prothese


von: Dr. med. Roland Sistermann


Cup, Kappe, Prothese, Schulter, Schulterprothese, Oberflächenersatz


Der Cup ist die kleinste Form von Gelenkersatz an der Schulter. Er überkleidet die verschlissene Oberfläche des Oberarmkopfes gewissermaßen wie eine Krone einen Zahn.



  • Die Schulterkappenprothese - ein künstlicher Oberflächenersatz für den zerstörten Oberarmkopf - bezeichnet man auch einfach als „Cup“ oder „Schulter Cup“. Sie ist eine kleine Form des künstlichen Gelenkersatzes an der Schulter. Der Knorpel- / Knochenabrieb auf der Kugel des Oberarmkopfes wird mittels einer Metallkappe überkleidet. Dabei kann die Kappe mittels Knochenzement oder auch zementfrei verankert werden.
    Cupprothesen befinden sich seit Anfang der 80er Jahre vermehrt in Anwendung. Ihr Haupteinsatzgebiet waren früher rheumatische Zerstörungen des Schultergelenkes ( Rheumaschulter ) und heutzutage der Schulterverschleiss ( sog. Omarthrose ) wie auch die Humeruskopfnekrose.

    Abzugrenzen ist die Kappenprothese von den schaftfreien Schulterprothesen. Der Cup ist meistens ein Ersatz der Oberfläche und in Einzelfällen wird ein Pfannenersatz kombiniert durchgeführt. Im Gegensatz zur Kappe ermöglichen die schaftfreien Schulterprothesen meistens einen besseren Zugang zur verschlissenen Schulterpfanne und werden auch ohne "Stil / Schaft" - wie ihr Name sagt - verankert. Also, z.B. über spezielle Schrauben, Finnen, Krallen o.ä.
  • Vor- und Nachteile
    Die Vorteile der Cupprothese liegen darin, dass man Knochen spart, indem man – im Gegensatz zum kompletten künstlichen Schultergelenk – die Kontur des Oberarmkopfes erhält und nicht grössere Teile des Oberarmkopfes entfernen muss.

    Ausserdem braucht man den Oberarmschaft nicht eröffnen, weil kein Prothesenstiel eingebracht werden muss. Falls sich die Cupprothese nach Jahren lockert und dieser Gelenkersatz ausgetauscht werden muss, kann man dann auf ein größeres künstliches Schultergelenk ( schaftfreie Prothese oder Kurzschaftprothese ) zurückgreifen und das erst als Wechselimplantat, also zu einem wesentlich späteren Zeitpunkt, einbauen.
    Außerdem kann man sie über kleinere Operationszugänge einbauen.

    Von Nachteil ist der Umstand, dass Kappenprothesen eine genügende Auflagefläche brauchen. In anderen Worten: Der Oberarmkopf darf nicht zu zerstört sein. Je nach Situation während der Operation, kann es notwendig werden - in Einzelfällen - vom Konzept der Cup Prothese abzuweichen und ein geeigneteres anderes Schulterprothesen Implantat einzubauen.
    Cups kann man meist nicht bei weichem Knochen ( Osteoporose ) einbauen, weil sie in einer solchen Situationen zu wenig Halt finden.
  • Veranlassung ( Indikation ) Operation
    Man kann von den Kappenprothesen erwarten, dass man schmerzfrei wird und die Bewegung – wie bei allen künstlichen Schultergelenken – dem vor der OP bestehenden Bewegungsausmass entspricht oder auch besser wird. Das Ergebnis hängt aber auch von dem Ausmaß der Zerstörung der Weichteile um die Schulter vor der OP ab und vom Ausmaß der Beweglichkeit. "Warten bis nichts mehr geht" macht meistens keinen Sinn. Die Wahl des richtigen, zeitgerechten, OP Zeitpunktes ist ebenso gefragt und wichtig - also nicht zu früh, aber auch nicht zu spät.
    Diese künstlichen Gelenke werden in erster Linie eingebaut, weil Schmerzen für den Patienten das Hauptproblem darstellen.
    Die Haltbarkeit der Cupprothesen entspricht denen normaler künstlicher Schultergelenke.

    Die Erkrankungen bei denen man eine Schultercupprothese einbaut sind: Der Verschleiss an der Schulter ( Omarthrose ), Zerstörungen des Schulterhauptgelenkes durch Rheuma oder die Humeruskopfnekrose und bei grossen Defekten der Rotatorenmanschette die mit Verschleiss einhergehen. In dieser letzteren Situation werden aber überwiegend inverse Schulterprothesen eingebaut, weil sie zu besseren Ergebnissen führen. Ein Cupeinbau bei der sog. Defektarthropathie ist ausnahmen, wie zu kranken Patienten, vorbehalten.
  • OP-Technik
    Cupprothesen werden sowohl mit als auch ohne künstliche Schulterpfanne – je nach Ausgangssituation – eingebaut. Konstruktions- und OP zugangsbedingt implantiert man die überwiegende Zahl der Cupprothesen ohne Pfannenersatz.


    Die Schulter wird über einen oberen oder vorderen Zugang eröffnet. Nach Einkerbung / Ablösung der Muskeln / Sehnen in der Tiefe wird der Oberarmkopfknochen dargestellt. Ein zentraler Draht wird plaziert. Die passende Prothesengrösse des Cups wird ausgemessen. Der zentrale Kanal und die Oberfläche des Oberarmkopfes werden vorgefräst. Es wird ein Probeimplantat aufgebracht und die Schulter eingerenkt sowie deren Laufverhalten und Stabilität getestet. Ggf. wendet man sich anschließend der Pfanne zu und implantiert, je nach individueller Situation, die künstliche Schulterpfanne. In weiterer Folge werden die Probeimplantate entfernt und die Originalimplantate eingebracht, wobei diese entweder zementiert oder zementfrei eingebracht werden. Anschließend wird der Oberarmkopf mit der Cupprothese wieder in die Schulterpfanne eingerenkt und das Laufverhalten und Stabilität der Schulter - mit Ihrem neuen Gelenkersatz - werden nochmal überprüft. Danach wird die Schulter - Schritt für Schritt - verschlossen und ein Verband sowie Schulterschiene angelegt.
  • Video



    Video ( 2:46 Min. ): Operation / Einbau einer Schulter Cup Prothese.

  • OP-Risiken
    Es gelten die allgemeinen Risiken jeder Operation, wie: Thrombose, Embolie, Blutung, Infektion, Wundheilungsstörung, Gefäss-/ und / oder Nervenschäden. Die Prothese könnte theoretisch ausrenken. Brüche des Oberarmschaftes - wie bei der konventionellen Schulterprothese - kommen nicht vor, weil der Oberarmschaft beim Einbau der Cupprothese nicht eröffnet werden muss. Im Allgemeinen ist Komplikationsrate beim Einbau von Schulter Cup Prothesen gering. Vorkehrungen, wie die Verwendung von Thrombosespritzen, steriles Operieren, die vorbeugende Gabe von Antibiotika sind notwendig.
  • Nachbehandlung
    In den ersten Tagen werden Schmerzmittel verabreicht, die Schulter wird gekühlt und die Wunde mittels Verbandwechseln kontrolliert. Während des etwa 5 bis 7 Tage dauernden stationären Krankenhausaufenthaltes wird physiotherpeutisch behandelt und eine Patientenschulung im Umgang mit der Schiene vorgenommen. Eigenübungen für die Zeit nach der Entlassung, zuhause, werden gezeigt.
    Etwa nach 10 bis 12 Tagen werden die Fäden der Hautnaht entfernt. Eine Schulterschiene wird circa 4-6 Wochen getragen. Während dieser „Schienenzeit“ wird aus der Schulterschiene heraus passiv geübt, und zwar zuhause - vor Ort - mit Ihrem Physiotherapeuten. Nach Abnahme der Schiene in der vierten bis sechsten Woche, beginnt die aktive Übungsbehandlung.
    Die Nachbehandlung dauert etwa 8 bis 10 Wochen.

    Wenn Sie mehr zu sportlichen Aktivitäten mit der Schulterprothese wissen wollen, lesen Sie einfach hier nach - Alles Wichtige und Wesentliche.
  • Arbeitsunfähigkeit
    Die Arbeitsunfähigkeit nach dem Einbau einer solchen Schulterprothese liegt im Mittel bei etwa 6 bis 8 Wochen. Sie verkürzt sich etwas bei körperlich leichter Arbeit oder rein aufsichtführender Tätigkeit. Sie verlängert sich bei körperlich schwerer Tätigkeit.
  • Fachbegriffe
    Schulterkappenprothese, Cup, Oberflächenersatz, Kappe, Schultercupprothese, Schulter Cup Prothesen, Schulter Kappenprothese, Humeruskopfersatz, Oberarmkopfersatz
  • Alternativen ?
    Es werden auch schaftfreie Schulterprothesen oder Kurzschaftprothesen eingebaut. Sie bieten den Vorteil im Gegensatz zur Kappe den Vorteil, daß man an die Schulterpfanne besser herankommt, wenn auch zusätzlich eine künstliche Schulterpfanne eingebaut werden muß. Letztendlich ist das eine Einzelfallentscheidung, welche Sie mit dem Operateur Ihres Vertrauens abstimmen müssen.
  • Haltbarkeit ?
    Man kann heutzutage davon ausgehen, daß Cup Prothesen etwa 10 bis 15 Jahre halten.
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Röntgenbild, Cup, Prothese, Schulter

Röntgenbild nach dem Einbau der Cup Prothese.



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Wissenschaftliche Literatur:
1. Levy, O., et al, Surface replacement arthroplasty for glenohumeral arthropathy in patients aged younger than fifty years: results after a minimum ten-year follow-up, J Shoulder Elbow Surg, 24(7):1049-1060; 2015
2. Burgess DL, et al, Shoulder resurfacing, J Bone Joint Surg Am, 91(5):1228-1238; 2009
3. Werner, A, Surface replacement of the shoulder: arthroplasty indications and limits, Orthopäde, 36(11):996-1001; 2007


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