Die Biopsie / Gewebeprobe an der Schulter: ein Überblick

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Die Biopsie / Gewebeprobe an der Schulter



von: Dr. med. Roland Sistermann


Schulterarthroskopie, Endoskopie, Spiegelung, Schulter

Biopsie an der rechten Schulter.



1. Was ist es ?
Das Wort Biopsie bedeutet für einen Mediziner soviel wie "Gewebeprobe". Im Rahmen eines kleinen operativen Eingriffes wird verdächtiges Gewebe aus der Schulter zur Untersuchung auf Gewebeveränderungen oder auf Bakterien untersucht.


2. Warum ?
Man entnimmt Gewebe aus der Schulter, um es ins Labor, der Pathologie oder Mikrobiologie, einschicken zu können. Dort wird es auf das Vorhandensein von z. B. Tumorzellen, Entzündungen oder Bakterien untersucht. Es wird nachgeschaut, ob es sich überhaupt um einen Tumor handelt und, wenn ja, um welchen. Dazu wird das entnommene Material / Gewebe ( Bioptat ) aufbereitet und unter dem Mikroskop betrachtet sowie ggf. chemisch analysiert und verschieden angefärbt.


3. Wann ?
Eine Schulterbiopsie wird durchgeführt, wenn der Verdacht eines Tumors besteht oder andere Raumforderungen abgeklärt werden müssen, z.B. Rheumaknoten, Tuberkuloseherde, uvm. Auch wenn Bakterien beteilgt sein können oder bestimmte Formen anderer Entzündungen vorliegen entnimmt man eine solche Gewebeprobe.

4. Wie ?
Eine Biopsie wird in örtlicher Betäubung, einem Betäubungsblock ( sog. Plexuskatheter ) oder Vollnarkose entnommen. Meistens findet das in einem Operationssaal oder speziellem Eingriffsraum statt. Es ist also gewissermaßen eine kleinere Operation.

Man unterscheidet verschiedene Formen der Biopsie:
1. Die ( Fein- ) Nadelbiopsie: Dabei wird eine feine dünnen Nadel in örtlicher Betäubung oder Vollnarkose in die Weichteile oder die Knochen an der Schulter platziert. Man gewinnt einen oder meist mehrere Gewebezylinder und schickt diese zur Untersuchung ein.
2. Die Inzisionsbiopsie: Dabei wird ein mehr oder weniger großer Hautschnitt angelegt und aus dem verdächtigen Herd wird ein Stück Gewebe herausgeschnitten. Der Rest des verdächtigen Gewebes verbleibt zunächst und über ein weiteres Vorgehen ( erneute Operation, Bestrahlung, Chemotherapie oder gar nichts machen / Verlaufsbeobachtung ) wird nach Erhalt des Ergebnisses der Gewebeprobe entschieden.
3. Die Excisionbiopsie: Ist es weitgehend klar, um was es sich handeln könnte oder z.B. keine Zeit zu verlieren, wird das gesamte verdächtige Material sofort entnommen und zur Untersuchung eingeschickt. Je nach Situation wird dabei auch umgebendes gesundes Gewebe an den Rändern entfernt, um eine Sicherheitsabstand zu haben.

Sonderformen der Biopsie sind z.B. die Vakuumbiopsie, Stanzbiopsie oder Zangenbiopsie.


5. Risiken ?
Einerseits besteht bei jeder Biopsie das Risiko Tumorzellen zu verschleppen. Andererseits kann man keine Therapie ohne Diagnose einleiten. Somit ist eine Biopsie überaus wichtig und notwendig, um Klarheit zu bekommen und die richtige Behandlung einleiten zu können.
Darüberhinaus gelten die allgemeinen Risiken der Thrombose, Embolie, Blutung, Infektion, Wundheilungsstörung oder die potentielle Verletzung von Gefäßen und / oder Nerven.


6. Wie lange dauert es bis es bis zum Eegebnis ?
Wenn Weichteilgewebe gewonnen und untersucht wird, etwa 3-5 Tage. Wenn Biopsien an der Schulter aus dem Knochen entnommen werden ( Oberarmkopf, Schulterblatt, Schlüsselbeinknochen, et cetera ) kann es bis zu 14 Tagen dauern bis ein Ergebnis vorliegt. Das liegt daran, dass eine knöcherne Gewebeprobe u.U. zuerst entkalkt werden muss.


7. Fachbegriffe:
Biopsie, Stanze, Gewebeprobe, Histologie


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Wissenschaftliche Literatur:
1. Dilisio MF, et al, Arthroscopic tissue culture for the elevation of periprosthetic shoulder infections, J Bone Joint Surg Am, 96(23):1952-1958, 2014
2. Simon M, A biopsy of musculoskeletal tumors, J Bone Joint Surg Am, 64:1253-1257, 1982
3. Enneking WF, The issue of biopsy, J Bone Joint Surg Am, 644:1119-1120, 1982



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